Ärzte Zeitung, 27.05.2005

Virus-Mutante erschwert Hepatitis-B-Therapie bei Migranten

Wer sich bereits als Kind mit HBV infiziert, spricht schlecht auf Standardtherapie an

PARIS (grue). Hepatitis-B-kranke Migranten haben oft einen HBe-Antigen-negativen Virustyp. Solche Patienten sprechen oft besser auf Virustatika als auf Interferon an.

Mit einer Prävalenz der Hepatitis B von 0,6 Prozent zählt Deutschland zu den Niedrig-Endemie-Gebieten. Die Hepatitis-B-Rate bei in Deutschland lebenden Ausländern und Aussiedlern ist jedoch um das Vier- bis Siebenfache höher als bei Deutschen.

Der Zuzug von Menschen aus Ländern mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz könnte zu einer höheren Infektionsrate von Hepatitis B in Deutschland führen. Darauf hat Professor Cihan Yurdaydin aus Ankara in der Türkei bei einer Veranstaltung des Unternehmens Bristol-Myers Squibb in Paris hingewiesen.

Menschen aus Ländern mit hohen Infektionsraten infizieren sich meist schon als Säuglinge mit HBV und entwickeln dann zu 90 Prozent einen chronischen Infekt. Kommt es zu einer starken zellulären Immunantwort gegen die infizierten Leberzellen, wird die Krankheit entzündlich-aktiv, und es besteht ein erhöhtes Risiko für Zirrhose und Leberkrebs.

Diese Patienten haben entweder eine HBe-Antigen-positive, sogenannte Wildtyp-Infektion oder eine HBe-Antigen-negative Infektion mit einer sogenannte Prä-Core-Mutante des Virus. Diese Mutante entsteht besonders dann, wenn sich Menschen als Kinder mit dem Wildtyp infiziert haben und sich das Virus später an das reifende Immunsystems anpaßt.

"Da in die Industrieländern immer mehr Menschen kommen, die sich schon als Kleinkind mit HBV angesteckt haben, nimmt der Anteil der HBe-Antigen-negativen Infektionen stetig zu", erläuterte der Hepatologe. "In Deutschland sind bereit 84 Prozent der Infizierten HBe-Antigen-negativ." Es handele sich um eine Art Spätkomplikation der Erkrankung, gegen die eine Standardtherapie mit Interferon alfa relativ schlecht wirke.

Als Primärtherapie wird deshalb das Nukleosidanalogon Lamivudin oder das Nukleotidanalogon Adefovir empfohlen. Neue HBV-Medikamente sind derzeit in Entwicklung. In den USA bereits zugelassen ist die Substanz Entecavir, die die HBV-Replikation hemmt. In einer Phase-III-Studie mit HBe-Antigen-negativen Patienten hemmte Entecavir die Virusvermehrung stärker als das Vergleichsmedikament Lamivudin.

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