Forschung und Praxis, 28.10.2005

Bei hepatischer Enzephalopathie ist die Suche nach den Auslösern am wichtigsten

Bei hepatischer Enzephalopathie (HE) können zu 80 Prozent die auslösenden Faktoren identifiziert werden. An deren Bekämpfung sollte sich die Therapie vorrangig orientieren, empfiehlt Professor Ulrich Spengler von der Universitätsklinik Bonn.

Eine HE ist eine gefürchtete Komplikation bei Patienten mit akutem Leberversagen, portosystemischem Bypass oder Zirrhose. Sie kann durch mehrere Risikokonstellationen erstmals ausgelöst werden oder auch exazerbieren.

Dazu gehören: Gastrointestinale Blutungen, Infektionen und metabolische Alkalosen oder Azidosen. Auch Volumenmangel und die Einnahme von Diuretika oder Benzodiazepinen gelten als wichtige - und vermeidbare - Auslöser, wie Spengler in Köln berichtet hat.

Außer der Auslöserbeseitigung ist die Diät eine begleitende Maßnahme, bei der neuerdings eine fast normale Eiweißaufnahme von 1 - 1,5 g /kg KG pro Tag erlaubt ist. Dabei seien pflanzliche Proteine zu bevorzugen, sagte der Internist.

Orale Präparate mit verzweigtkettigen Aminosäuren (etwa Falkamin®) haben keine gesicherte Wirkung, werden aber als Zusatztherapie bei Proteinintoleranz empfohlen. Auch Probiotika sind womöglich effektiv, wurden bisher aber nur in kleineren Studien bei leichter HE untersucht.

Etwas besser ist die Datenlage zur ammoniaksenkenden Therapie, vor allem für Ornithinaspartat (Hepa-Merz®) und Flumazenil (Anexate®). Bei schwerer HE brauchen die Patienten vorübergehend auch nicht-resorbierbare Antibiotika wie Neomycin und Rifaximin (in Deutschland nicht am Markt), sagte Spengler.

Zudem haben sich Einläufe mit Laktulose bewährt. Bei all diesen Maßnahmen dürfe eine unterstützende Intensivtherapie - etwa bei drohendem Coma hepaticum - nicht vergessen werden: "Also Vitalparameter und Volumenstatus normalisieren, Atemwege sichern und einer Pneumonie vorbeugen".

Das komplexe Krankheitsbild und die ebenso komplexe Therapie von Patienten mit HE stellen hohe Ansprüche an das ärztliche Können, und das bei einer stetig wachsenden Zahl von Patienten. Als Gründe dafür gelten längere Wartezeiten bei Lebertransplantationen und die Ausweitung der Indikation für portosystemische Shunts. (grue)

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