Ärzte Zeitung, 15.09.2006

Neue Mittel gegen Hepatitis C werden erforscht

Bis zu 800 000 Menschen in Deutschland mit HCV infiziert / Auf verfügbare Therapien spricht jeder Zweite nicht an

MÜNCHEN (wst). Viele Patienten mit chronischer Hepatitis C werden in den nächsten Jahren Komplikationen bekommen. Mit den verfügbaren Arzneimitteln kann heute nur einem Teil der Patienten geholfen werden. Neue Substanzen für die Therapie werden getestet.

In Deutschland sind nach Schätzungen 600 000 bis 800 000 Menschen chronisch mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert. Ende der 80er Jahre - kurz vor Identifizierung des HCV - waren wahrscheinlich die Infektionsraten am höchsten, wie Privatdozent Helmut Diepolder vom Uniklinikum München Großhadern berichtet hat.

Die chronische Infektion verläuft bekanntlich lange Zeit symptomarm und wird meist nicht erkannt. Erst nach 20 bis 30 Jahren kann die Infektion zu einer Leberzirrhose oder einem Karzinom führen. Morbidität und Sterberaten werden daher zwischen 2010 und 2020 in Deutschland besonders hoch sein, so Diepolder auf einer Veranstaltung in München, die von der Falk Foundation und Essex Pharma unterstützt worden ist.

    Entwickelt werden neue Interferone und Virusstatika.
   

Mit der Standardtherapie aus pegyliertem Interferon (etwa PegIntron®) plus Ribavirin (etwa Rebetol®) können heute die Viren nur bei etwa 50 Prozent der behandelten Patienten langfristig eliminiert werden, fuhr der Spezialist fort. Neue Medikamente gegen HCV werden daher dringend gebraucht.

Nach Diepolders Angaben werden derzeit 40 Substanzen gegen Hepatitis C in klinischen Studien getestet (21 in Phase I, 18 in Phase II und eine in Phase III). Ziel der Forscher ist es, mit neuen Therapeutika die HCV-Eliminationsraten zu verbessern und das Fortschreiten der Leberfibrose aufhalten zu können. Entwickelt werden zum Beispiel neue, modifizierte Interferone. Sie sollen im Vergleich zu herkömmlichen Präparaten eine längere Halbwertszeit, eine verbesserte antivirale Wirkung und ein günstigeres Profil unerwünschter Wirkungen haben.

Als neue Partner für eine Kombitherapie mit Interferonen werden zudem Protease-Hemmstoffe wie die Substanz VX-950 oder das Nukleosid-Analogon Valopicitabin klinisch getestet. In der Entwicklung ist auch der unspezifische Immunmodulator Actilon, der die Produktion endogenen Interferons steigert. Nach Angaben des Unternehmens Coley Pharmaceutical habe die US-Behörde ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für Actilon bewilligt.

Mehr Infos zu Hepatitis C unter www.rki.de, "Infektionskrankheiten A-Z" und "Hepatitis C" anklicken!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »

KBV legt acht Punkte für eine Reformagenda vor

Rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf und dem Start in eine neue Legislaturperiode hat die KBV ein Programm für eine moderne Gesundheitsversorgung vorgelegt. Was steht drin? mehr »