Ärzte Zeitung, 12.01.2007

HCV-Therapie oft im zweiten Anlauf erfolgreich

Nach Rückfall oder Versagen der Ersttherapie lassen sich bei einem Fünftel der Patienten die Viren doch eliminieren

HANNOVER (grue). Bei Patienten mit chronischer Hepatitis C, die auf eine Interferon-basierte Primärtherapie nicht angesprochen haben, verläuft eine Weiterbehandlung mit peg-Interferon alfa-2b und Ribavirin oft erfolgreich.

Hepatitis-C-Viren im Modell. Ihr Ziel ist die Leber. Foto: Essex

Das belegen die Zwischenergebnisse der EPIC3-Studie (Evaluation of PegIntron in Control of Hepatitis C Cirrhosis). Dr. Stephan Kaiser von der Uniklinik Tübingen hat sie bei einer Veranstaltung von Essex Pharma in Hannover vorgestellt. Ausgewertet wurden die Ergebnisse der ersten 575 Patienten mit Hepatitis-C-Virusinfektion (HCV). Sie erhielten in dieser Studie pegyliertes Interferon-alfa-2b (PegIntron®) plus Ribavirin (Rebetol®). Die Dosis richtete sich dabei nach dem Gewicht. "Alle Patienten hatten bereits eine Standardtherapie auf Basis von Interferon hinter sich, die aber wirkungslos gewesen war oder einen Rückfall nicht verhindert hatte", erläuterte Kaiser.

Jeder fünfte Patient wird durch die Therapie virusfrei

Diese Patienten wurden für 48 Wochen mit den beiden Wirkstoffen behandelt. Bei immerhin noch 21 Prozent kam es zu einem anhaltenden Behandlungserfolg. Das heißt: Sechs Monate nach Therapie-Ende waren keine Viren nachweisbar. "Im Prinzip bedeutet das Heilung für ein Fünftel der Patienten", sagte Kaiser.

Die Chance auf eine anhaltende Remission war am größten bei Patienten mit den HCV-Genotypen 2 und 3 (56 versus 16 Prozent bei Genotyp 1). Gute Aussichten bestehen außerdem bei Patienten, die ursprünglich erfolgreich behandelt worden waren, aber einen Rückfall erlitten hatten (39 versus 15 Prozent bei Non-Respondern).

Frühes Ansprechen erhöht die Chance auf Viruselimination

Außerdem lässt sich offenbar bereits nach zwölf Wochen abschätzen, wie erfolgreich die weitere Therapie sein wird. 61 Prozent der Patienten, die zu diesem Zeitpunkt nachweislich keine Viren mehr hatten, waren auch am Ende der Therapie noch virusfrei. Umgekehrt hatten Patienten mit persistierender HCV in Woche zwölf nur eine fünfprozentige Chance, dass die Therapie später noch ansprechen würde. "Der schnelle Rückgang der Virusmenge ist ein guter Prädiktor für einen langfristigen Behandlungserfolg", sagte Kaiser. Dabei ist es offenbar unerheblich, ob es sich bei den Früh-Respondern um Patienten handelt, die auf Vortherapien nicht angesprochen haben oder um solche nach Rückfall.

Mehr Infos gibt es im Internet unter: www.kompetenznetz-hepatitis.de

STICHWORT

Hepatitis C

Die Hepatitis-C-Prävalenz weltweit wird auf ungefähr 10 Prozent der Bevölkerung geschätzt (Westafrika, Ägypten). Für Deutschland wird von etwa 500 000 Virusträgern ausgegangen. Nur jeder Vierte chronisch Infizierte weiß von seiner Erkrankung. In Deutschland kommt es zu etwa 5300 Neuerkrankungen durch Leberkrebs pro Jahr. Mehr als die Hälfte dieser Patienten haben eine chronische Hepatitis C oder B.

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