Ärzte Zeitung, 15.12.2006

Bei Hepatitis B muß die Viruskonzentration runter!

Wird die Menge der Viren im Blut auf ein Zehntel reduziert, halbiert sich das Krebsrisiko / Neues Präparat in Sicht

HANNOVER (grue). Patienten mit chronisch-aktiver Hepatitis B haben bekanntlich ein hohes Risiko für Zirrhose und Leberkrebs. Je stärker bei ihnen die Viruskonzentration im Blut gesenkt wird, desto stärker verringert sich dieses Risiko. Neue Nukleosidanaloga ermöglichen dabei eine besonders wirksame antivirale Therapie, sagt Professor Hans L. Tillmann aus Leipzig.

Hepatitis-B-Viren. Bei chronischer Infektion reduziert eine antivirale Therapie das Zirrhose-Risiko. Foto: Gerlich, Uni Gießen

Bei Hepatitis B ist es noch wichtiger, die Viruskonzentration im Blut zu senken als die Leberwerte zu normalisieren, sagte Tillmann auf einer Veranstaltung der Unternehmen Novartis und Idenix in Hannover.

Denn sinkt die Viruskonzentration um nur eine log-Stufe von 105 auf 104 Kopien/ml Blut, halbiert sich das Risiko für Leberkrebs. Hepatitis-B-Patienten mit Fibrose und erst recht solche mit Zirrhose brauchen daher antiviral wirksame Medikamente. Aber auch bei steigenden Leberwerten und hoher Viruslast sollte umgehend behandelt werden, sagte der Hepatologe.

Für die Therapie gibt es in Deutschland drei Interferon-Präparate, ein Nukleotid-Analogon (Adefovir) und zwei Nukleosid-Analoga (Lamivudin und Entecavir). Bei hoher entzündlicher Aktivität wird meist mit Interferon behandelt, bei hoher Viruskonzentration eher mit den anderen Medikamenten. Außerdem sind der HBV-Genotyp und der HbeAg-Status von Bedeutung für die Wahl der Medikamente.

Außerdem gilt es zu bedenken, daß Interferone parenteral appliziert werden müssen, die Nukleosid/Nukleotid-Analoga aber als Tablette angeboten werden. Die Analoga unterscheiden sich dann noch in ihrer viralen Aktivität, sagte Tillmann. "Da haben moderne Substanzen die Nase vorn". Das gelte für Entecavir und das in Deutschland noch nicht erhältliche Telbivudin.

Besonders Telbivudin könnte sich zum First-Line-Kandidaten entwickeln, meint Tillmann. Denn das Medikament verringere die Viruskonzentration binnen eines Jahres bei 60 Prozent der HBe-Antigen-positiven Patienten unter die Nachweisgrenze, mit Lamivudin gelinge das nur bei 40 Prozent. Außerdem wirke die Substanz besonders schnell und Resistenzen seien selten, so Tillmann. Nach einem Jahr gab es in der Zulassungs-Studie GLOBE* bei nur drei Prozent der mit Telbivudin behandelten Patienten Resistenzen.

*GLOBE steht für Global Leadership & Organizational Behaviour Effectiveness

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. Offenbar fällt es aber schon Kindern schwer, ihre Bewegungsmuster zu ändern. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethische Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »