Ärzte Zeitung, 05.12.2007

Nobelpreisträger plädiert für HBV-Impfung aller Kinder

HBV-Entdecker Professor Baruch Blumberg setzt sich auch für moderne Therapien ein

BOSTON (grue). Er hat sich sein Leben lang im Kampf gegen Hepatitis engagiert und kennt sich mit den Viren aus wie kein Zweiter: Nobelpreisträger Professor Baruch Blumberg. Der Virologe pocht auf Prävention und moderne Therapien, um die Gefahr durch Hepatitis B zu verringern.

 Nobelpreisträger plädiert für HBV-Impfung aller Kinder

Allen Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre wird in Deutschland die Hepatitis-B-Impfung empfohlen.

Foto:AOK-Mediendienst

Der heute 82-jährige US-Mediziner Blumberg vom Fox Chase Cancer in Philadelphia stieß 1965 zufällig auf ein Protein des später als Hepatitis-B-Virus (HBV) bezeichneten Krankheitserregers. Blumberg deckte danach die Zusammenhänge zwischen HBV-Infektion und akuter Hepatitis auf und erhielt gemeinsam mit dem US-Biologen Daniel Carleton Gajdusek 1976 den Nobelpreis für Medizin. Seine Forschungen hat Blumberg in dem Buch "Hepatitis B: the hunt for a killer virus" dargestellt.

Der Virologe ist auch heute noch gegen Hepatitis B aktiv. Denn zwischen 300 bis 400 Millionen Menschen haben eine chronische HBV-Infektion - häufigste Ursache von Leberzirrhose und hepatozellulärem Karzinom (HCC). In Deutschland sind bei sieben Prozent der Bevölkerung Antikörper (anti-HBc) als Merkmal einer erfolgten HBV-Infektion nachweisbar, etwa eine halbe Million Menschen sind chronisch mit dem Erreger infiziert.

"Um diese Infektion in den Griff zu bekommen, sollten alle Kinder geimpft werden", so Blumberg bei einer Veranstaltung von Bristol-Myers Squibb in Boston. Die WHO propagiert eine solche Impfung seit 1992. Seit 1995 empfiehlt auch die deutsche Impfkommission STIKO die generelle HBV-Impfung für Säuglinge und das Nachholen bei noch ungeimpften Jugendlichen.

Die zweite Maßnahme gegen Hepatitis B sei die moderne Therapie, so Blumberg. In Deutschland gibt es für Patienten mit chronischer HBV-Infektion die Injektionen mit Interferonen und p.o. einzunehmende Nukleos(t)idanaloga. Ein Nuklesidanalogon der neueren Generation ist En-tecavir (Baraclude®). Studiendaten zur Langzeittherapie mit diesem Wirkstoff ergaben, dass die Substanz bei nicht mit Nukleosiden vorbehandelten Patienten auch noch nach vier Jahren effektiv wirke.

Die Analyse bezieht sich auf 146 HBeAg-positive Teilnehmer zweier Entecavir-Studien, die mit 1 mg Entecavir offen weiterbehandelt wurden. Bei dieser Kohorte war bei 91 Prozent der Teilnehmer auch in Woche 192 keine HBV-DNA mehr nachweisbar. Außerdem hatten zu diesem Zeitpunkt 86 Prozent der Patienten normale ALT-Leberwerte. Und nur ein einziger Patient entwickelte eine virale Resistenz.

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter: www.kompetenznetz-hepatitis.de

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