Ärzte Zeitung, 06.11.2008

Hepatitis B trifft häufig Migranten

65 von 100 Patienten mit chronischer Hepatitis-B-Infektion waren Einwanderer /  Studie mit 30 Hausärzten

BIELEFELD (ikr). Migranten sind häufig mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert und können dadurch zur Infektionsgefahr, etwa für Sexualpartner, werden. Wie sehr das Thema gerade auch Hausärzte angeht, belegen aktuelle Studiendaten: Von 100 Patienten mit chronischer Hepatitis B aus verschiedenen Praxen hatten mehr als 60 Prozent einen Migrationshintergrund.

Hepatitis B trifft häufig Migranten

Eine Patientin mit Migrationshintergrund wird beraten. Viele solcher Patienten haben ein hohes Hepatitis-B-Risiko.

Foto: Klaro

An der Studie nahmen insgesamt 30 hausärztlich tätige Mediziner in Bielefeld teil. Diese betreuten zusammen etwa 23 400 erwachsene Patienten im Quartal. Darunter befanden sich 100 Patienten mit chronischer Hepatitis B, 65 davon mit Migrationshintergrund (MMW-Fortschr. Med. 3, 2008, 105). Der Anteil der Patienten mit chronischer Hepatitis B lag damit bei 0,43 Prozent und damit deutlich unter der für Deutschland geschätzten Prävalenz von 0,62 Prozent.

Offenbar bleiben im Praxisalltag noch manche Patienten mit chronischer Hepatitis-B-Infektion unerkannt, folgert die Arbeitsgruppe um die praktisch tätige Internistin Dr. Luise Prüfer-Krämer aus Bielefeld aus den Studiendaten. Besonders bei Einwanderern wird die Bedeutung der Hepatitisserologien noch häufig unterschätzt, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Die Befragung der Kollegen ergab, dass zwar nahezu 90 Prozent wussten, dass die Prävalenz der chronischen Hepatitis B in afrikanischen Ländern, die südlich der Sahara liegen, mit über acht Prozent hoch ist.

Für China, wo die Prävalenz ähnlich hoch ist, ging jedoch knapp die Hälfte der Befragten von einer zu niedrigen Prävalenz aus. Und noch etwas halten Prüfer-Krämer und ihr Team für wichtig, um eine Hepatitis-B-Infektion frühzeitig zu erfassen: Die Entscheidung über weitere diagnostische Maßnahmen sollte nicht von der Höhe der Leberwerte abhängig gemacht werden. Auch gering erhöhte Werte könnten ein Hinweis auf das Vorliegen einer chronischen Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Infektion sein.

Die Autoren empfehlen daher: "Um Patienten vor möglichen schweren Folgen wie Leberzirrhose oder primärem Leberzellkarzinom zu schützen, sollte nach mehrfach beobachteter - auch leichter - Erhöhung der Transaminasen eine Hepatitis-Serologie vorgenommen werden."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Zwei Strategien gegen Hepatitis B

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