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Jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat Zeichen einer Leberkrankheit

Hepatitisviren und Übergewicht sind die Hauptursachen für Lebererkrankungen. Erhöhte Leberwerte müssen immer abgeklärt werden.

Von Kerstin Nees Veröffentlicht:
Mit dem Ultraschall lassen sich Lebererkrankungen früh diagnostizieren.

Mit dem Ultraschall lassen sich Lebererkrankungen früh diagnostizieren.

© Foto: imago

Leberkrankheiten sind keine Randerscheinung. Experten der Deutschen Leberstiftung gehen davon aus, dass etwa fünf Millionen Deutsche davon betroffen sind - oft ohne es zu ahnen. Um Folgekrankheiten wie Zirrhose und Leberkrebs zu vermeiden, sollten die Leberwerte bei allen Check-up-Untersuchungen überprüft und auffällige Befunde abgeklärt werden.

Eine repräsentative Studie der Universität Greifswald hat ergeben: Von den mehr als 4200 untersuchten Probanden im Alter zwischen 20 und 79 Jahren aus Mecklenburg-Vorpommern hatte etwa jeder Vierte erhöhte Leberwerte oder eine Fettleber, bei jedem Siebten fand sich sogar beides.

"Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland haben damit mehrere Millionen Menschen Zeichen einer Leberentzündung, die schwere Folgeschäden bis hin zum Leberkrebs nach sich ziehen kann," betont Professor Michael P. Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover. Hauptursachen der Leberentzündung seien Übergewicht und Infektionen mit Hepatitis-B- und -C-Viren.

Alkoholmissbrauch sei weniger häufig als angenommen die Ursache für Leberentzündungen, so der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung bei einer Pressekonferenz zum 9. Deutschen Lebertag in Hamburg. Meist ahnen die Betroffenen nichts von der geschädigten Leber, Symptome sind unspezifisch oder treten erst auf, wenn das Organ bereits stark geschädigt ist.

Jedes Jahr entwickelt sich bei fünf Prozent der Patienten mit Hepatitis C aus einer Leberzirrhose ein Leberzellkarzinom. Durch rechtzeitige und konsequente antivirale Therapie könnte den Patienten dieses Schicksal erspart bleiben. Allerdings: Man geht davon aus, dass nur 10 bis 20 Prozent der Virushepatitiden entdeckt sind", so Manns. Und nicht jeder Betroffene werde behandelt.

Der Hepatologe plädiert daher dafür, bei allen Check-up-Untersuchungen routinemäßig auch die Lebertransaminasen zu testen und bei auffälligem Befund die Ursachen dafür zu ergründen. Da eine Infektion mit Hepatitis B oder C nicht unbedingt mit einer Erhöhung der Leberwerte einhergeht, sollte auch Risikogruppen ein Antikörpertest angeboten werden. Hierzu zählen außer den klassischen Risikogruppen (Drogenabhängige, Prostituierte oder Homosexuelle) auch alle Personen, die vor 1990 Bluttransfusionen erhalten haben.

Eine weitere Risikogruppe sind Migranten etwa aus der Türkei oder aus Russland, da in diesen Ländern die allgemeine Hepatitisprävalenz sehr viel höher ist als in Deutschland. Den besten Schutz vor Hepatitis B bietet eine Impfung. Bisher sind rund 80 Prozent der Kinder geimpft. Vor allem in den Risikogruppen würden sich aber noch zu wenige Menschen impfen lassen, beklagt Manns.

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