Ärzte Zeitung, 05.02.2009

Migranten den Test auf Hepatitis B anbieten!

Patienten mit chronischer Hepatitis B sollen früher erkannt werden. Zudem soll die Impfrate gegen die Infektionskrankheit steigen, fordern EU-Politiker.

Jugendliche Migranten - wer aus Ländern mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz stammt, kann von einem Test profitieren.

Foto: Franz Pfluegl©www.fotolia.de

Von Ingeborg Bördlein

Das sind die Ziele von Experten um den CDU-Europa-Abgeordneten und Arzt Dr. Thomas Ulmer aus Mosbach. In Heidelberg haben sie jetzt "Empfehlungen für einen besseren Umgang mit Hepatitis B in Deutschland" vorgestellt.

Nach Schätzungen sind in Deutschland eine halbe Million Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert, nur etwa jeder fünfte davon ist derzeit diagnostiziert. Nur durch eine frühe und angemessene Therapie können Spätfolgen der Infektion wie Zirrhose und Leberkrebs vermieden werden. Sowohl die Prävention als auch die Früherkennung laufen in Deutschland aber noch nicht optimal, wie bei einer Pressekonferenz der Expertengruppe aus Anlass der 25. Jahrestagung der GASL (German Association for the Study of the Liver) in Heidelberg berichtet worden ist.

So werden derzeit zwar etwa 80 Prozent der Kinder geimpft, wie der Politiker in Heidelberg berichtet hat. Von den Jugendlichen über 13 Jahre haben aber nur die Hälfte einen HBV-Impfschutz. Ab diesem Alter besteht aber ein erhöhtes Risiko, sich bei Sexualkontakten zu infizieren.

Bis zum Jahr 2015 sollen deshalb alle Kinder und Jugendlichen sowie Angehörigen von Risikogruppen eine Impfung bekommen, heißt es in dem Expertenpapier. Professor Michael P. Manns aus Hannover, Vorsitzender der Deutschen Leberstiftung, forderte bei der Veranstaltung sogar eine Hepatitis-B-Impfung für alle Menschen in Deutschland.

Von den chronisch Infizierten in Deutschland haben 50 bis 65 Prozent einen Migrationshintergrund, schätzt Dr. Markus Cornberg vom Kompetenznetz Hepatitis aus Hannover. Besonders Migranten sollten daher verstärkt in ihrer Landessprache aufgeklärt und durch gezielte Programme an eine Impfung herangeführt werden, fordern die Mediziner. Sie appellieren an Gesundheitspolitiker und die ärztliche Selbstverwaltung, eine Impfempfehlung für alle Migranten aus Ländern mit hoher Hepatitis-B-Prävalenz auszuarbeiten und ihnen den Zugang zu Tests zu erleichtern. Die Kosten sollten übernommen werden. Zu den Risikoregionen gehören etwa: Türkei, Italien, Asien, die ehemalige Sowjetunion.

Um die Früherkennung zu verbessern, fordern die Experten, die Bestimmung der Leberwerte in den Check-Up 35 und in die Krebsvorsorgeuntersuchungen aufzunehmen. Außerdem sollte jeder Patient mit erhöhten Leberwerten auf HBV getestet und auch die chronische Hepatitis B meldepflichtig werden.

Wann auf Hepatitis B und C testen?

Bei jeder dauerhaften Erhöhung der Transaminasen, für die sich keine eindeutige Erklärung findet, sollten Hausärzte eine gezielte Diagnostik auf Hepatitis B und C vornehmen, also das HBs-Antigen und HCV-Antikörper bestimmen. Das rät Professor Niederau vom St. Josef-Hospital in Oberhausen. Mit diesen beiden einfachen Labortests werden über 95 Prozent der chronischen Infektionen mit Hepatitis B und Hepatitis C erkannt.

Die S3-Leitlinie empfiehlt, auf Hepatitis-Viren zu testen bei:

  • Personen mit erhöhten Leberwerten und bei Patienten mit Leberzirrhose und Leberkrebs
  • Patienten mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter Hepatitis-B-Prävalenz
  • Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern
  • Aktiven und ehemaligen Benutzern von intravenösen Drogen
  • Angehörigen und Partnern von Patienten mit HBV-Infektion
  • Dialysepatienten
  • Schwangeren (nach der 32. Schwangerschaftswoche)
  • Patienten vor oder während immunsuppressiver Therapie (eb)

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