Direkt zum Inhaltsbereich

Nicht vergessen: Hepatitis A und E

Veröffentlicht:

Auch die Hepatitis-Forschung ist beim Kongress wieder ein großes Thema. So gibt es etwa für die Hepatitis E neuerdings Hinweise auf chronische Verlaufsformen.

Von Andreas Häckel

WIESBADEN. Infektionen mit den Hepatitisviren A und E sind zwar vergleichsweise benigner als solche mit den oft chronifizierenden Typen B, C und D. Dennoch gibt es auch hier ärztlichen Handlungsbedarf und neue Erkenntnisse zu den Infektionsquellen.

Eine akute Infektion mit dem fäkal-oral übertragenen Hepatitis A-Virus, einem PICORNA-Virus mit einer mittleren Inkubationszeit von 30 Tagen und unspezifischer, grippeartiger Symptomatik, lässt sich oft bereits in der Prodromalphase durch IgM und IgG-Antikörper nachweisen. Ein Ikterus ist jedoch speziell bei Kindern unter sechs Jahren nur zu zehn Prozent vorhanden. Darauf wies Professor Andreas Erhardt vom Universitätsklinikum Düsseldorf hin.

Suspekte Nahrungsmittel oder Getränke als klassische Infektionsquelle sollten wegen der relativ hohen Hitzestabilität von HAV über mindestens fünf Minuten bei 100 Grad oder eine Stunde bei 60 Grad Celsius erhitzt werden, so Erhardt. Allerdings sei speziell in industrialisierten Ländern wie den USA die HAV-Übertragung durch intravenösen Drogenkonsum oder Geschlechtsverkehr inzwischen deutlich häufiger als durch kontaminierte Speisen oder Getränke.

Hepatitis A in Deutschland rückläufig - aber Achtung bei Reisen!

Die Inzidenz der nicht chronifizierenden, symptomatisch zu behandelnden Infektion ist in Deutschland mit etwa 20/100.000 Einwohnern seit mehreren Jahren rückläufig. Dennoch wird von der STIKO besonders bei Lebererkrankungen, Menschen im Gesundheits- und Ernährungssektor sowie bei Reisen in Regionen mit hoher Hepatitis-A-Prävalenz eine Impfung empfohlen. Deren Effizienz liegt deutlich über 80 Prozent.

Ursache der Hepatitis E ist eine Infektion mit einem in vier Genotypen vorkommenden RNA-Virus, so Erhardt. Die Zahl der fäkal-oral übertragenen Infektionen in Deutschland sei zwar mit 0,3/100.000 Einwohner niedrig, allerdings mit einem deutlichen Anstieg in den letzten Jahren.

Chronische Hepatitis E vor allem bei Immunsuppression

Die Sensitivität der HEV-Diagnostik, ebenfalls über IgM-und IgG-Antikörper, beträgt etwa 90 Prozent, ist bei Immunsupprimierten aber geringer. Bei solchen Patienten nach Organ- oder Stammzelltransplantation, mit HIV oder unter Chemotherapie seien jetzt auch erstmals chronische Verläufe bekannt geworden, so Erhardt.

Speziell eine Infektion mit dem Genotyp 3 und eine Immunsuppression mit Tacrolimus scheinen hierfür zu prädestinieren. Chronische HEV-Infektionen sprechen nach ersten Berichten gut auf Monotherapien mit Ribavirin oder mit pegyliertem Interferon alfa an.

Optimistisch stimmen auch Studien zu einer Impfung, die auf einem Capsidprotein von HEV basiert: in einer nepalesischen und einer chinesischen Studie wurde damit ein Impfschutz zwischen 96 und 100 Prozent erzielt.

Übertragung vor allem durch Innereien und nicht gut erhitztem Schweinefleisch

Anzulasten ist die Inzidenz-Zunahme in Deutschland übrigens im wesentlichen autochthonen Infektionen mit dem Genotyp 3. Sie stehen nach einer Fall-Kontroll-Analyse vor allem in Zusammenhang mit dem Verzehr von Innereien, Wildschweinfleisch oder nicht ausreichend erhitztem Schweinefleisch in den letzten zwei Monaten vor Beginn der Erkrankung.

Speziell bei Wildschweinen in Deutschland sei dieser Genotyp endemisch und in Spanien etwa seien auch 17 Prozent der Hausschweine damit infiziert.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis E: Unterschätzte Gefahr bei Leberzirrhose?

Robert Koch-Institut

Hepatitis C: Diese Bevölkerungsgruppe ist am häufigsten betroffen

Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfahrungsberichte aus ärztlicher Perspektive

DiGADocs: Hausärzte testen Digitale Gesundheitsanwendungen für Kollegen

Klassifikation von Herztönen nach Auskultation

Zusammenarbeit Mensch und KI: Das Vertrauen kann täuschen

Lesetipps
Richterhammer und Klemmbrett

© Andrii / Stock.adobe.com

Interview

EU AI Act: Was die neuen Transparenzpflichten für Praxen bedeuten

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

© iLexx / Getty images / iStock

Vergleich der Kreise

Wo MRSA-Infektionen besonders häufig sind

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram