Ärzte Zeitung online, 23.04.2014

Hepatitis-C-Therapie

Ein Prototyp für erfolgreiche Forschung

Ohne neue Forschung droht der Medizin irgendwann Stillstand. Doch nicht immer gelingt der Schritt aus der Wissenschaft in die Praxis. Deswegen macht der Internistenkongress "Forschung wird zu Medizin" zum Leitthema. Ein Paradebeispiel dafür sind die neuen Therapien gegen Hepatitis C.

Von Marlinde Lehmann

Hepatitis C: Hier wird jetzt Forschung zu Medizin

Noch sieht die Leber gesund aus: Mit neuen Wirkstoffen wird Hepatitis C heilbar. Davon kann die ganze Medizin lernen.

© Sebastian Schreiter / Springer Verlag

WIESBADEN. Die Hepatitis C ist für Professor Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der Präsident des diesjährigen Internistenkongresses, ein Paradebeispiel für eine internistische Erkrankung, bei der jetzt neue Arzneien als Forschungserfolg Einzug in die tägliche medizinische Praxis halten.

Der am Samstag (26. April) startende Kongress steht unter dem Leitthema "Forschung wird zu Medizin". "Wir wollen mit diesem Leitthema deutlich machen, wie sehr die Innere Medizin in den letzten Jahren und Jahrzehnten von der medizinischen Grundlagenforschung profitiert hat", sagte der Kongresspräsident am Mittwoch im Vorfeld des Kongresses in Wiesbaden.

Manns: "Dabei ist es auch wichtig, aus den vielen Forschungsergebnissen jene mit direkten Kosequenzen für die tägliche Arbeit herauszustellen."

"Hepatitis C ist seit diesem Jahr eine heilbare Krankheit", betonte Manns in Wiesbaden und erinnerte daran, dass das Hepatitis-C-Virus ja Hauptursache von Leberzirrhose und Leberkarzinom ist. Mit den neuen Arzneien ließen sich 90 Prozent der damit therapierten Patienten innerhalb von zwölf Wochen heilen.

Im Januar wurde mit Sofosbuvir ein NS5B-Polymerase-Hemmstoff für die HCV-Therapie zugelassen, der nur noch über zwölf Wochen und bei Patienten mit HCV-Genotyp 2 und 3 nur in Kombination mit Ribavirin (ohne Interferon) gegeben werden muss.

Finanzielle Ressourcen bei großen Firmen

Bisher unbehandelte Patienten mit HCV-Genotyp 1 und 4 wurden in einer Phase-III-Studie über 12 Wochen mit der Tripeltherapie Sofosbuvir/Peginterferon/Ribavirin behandelt; 90 Prozent von ihnen sprachen an.

Noch in diesem Jahr werden vermutlich mit Daclatasvir und Ledipasvir zwei weitere DAA (direct acting antivirals) zugelassen, die gegen ein weiteres Target von HCV gerichtet sind.

Medizinische Universitäten sind für Manns der ideale Ort für die Erforschung von Krankheitsursachen und -mechanismen. Mitunter ergeben sich daraus neue Therapieansätze. "Präklinisch sollten diese Ideen sinnvollerweise auch von den Ärzten weiterentwickelt werden, die sie entdeckt haben", so Manns in einer Mitteilung der DGIM zum Start des Internistenkongresses.

In den USA gebe es Start-up-Unternehmen, die die Entwicklung neuer Medikamente bis zu einem gewissen Grad vorantreiben. Danach würden die Patente häufig der Industrie übertragen. Denn nur die großen Firmen verfügten über die finanziellen Ressourcen, die für die klinische Prüfung von neuen Medikamenten und Medizinprodukten notwendig sind.

Ansätze, die Translationsforschung in Deutschland zu stärken, sind Interdisziplinäre Zentren für Klinische Forschung etwa, Kompetenznetze in der Medizin und die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG) für die großen Volkskrankheiten.

Gefragt sind konstruktives Vorgehen und Transparenz

Auf dem Internistenkongress werden einige dieser translationalen Forschungsverbünde Paten ausgewählter klinischer Symposien sein. Sie stellen dort ihre Ziele und Ergebnisse anhand praktischer Beispiele vor, die direkten Einfluss auf die tägliche Arbeit des Internisten haben.

Translationale EU-Förderprogramme fordern oft die Einbindung von Industriepartnern, die einen Teil der Projektkosten tragen. Aus der Zusammenarbeit von Industrie und Universitäten können sich allerdings Interessenkonflikte ergeben. Das erfordert Regeln für die Zusammenarbeit.

Ein Aspekt ist, dass Erfinder zum Beispiel nicht an der klinischen Erprobung ihrer Produkte beteiligt sein sollten, so Manns. Ebenso wenig sollten Ärzte, die an der Entwicklung neuer Medikamente beteiligt sind oder waren, über den späteren Einsatz an ihren Kliniken mitentscheiden.

"Vorbehalte gegenüber Verquickungen von Forschung und Industrie sind vorhanden und auch nicht völlig unbegründet", so Manns. Doch es wäre geradezu weltfremd, sich dem zu verschließen.

Stattdessen seien hier konstruktives Vorgehen und größtmögliche Transparenz notwendig, um vielversprechenden Ansätzen eine Chance zu geben und die Kooperationsmöglichkeiten zu nutzen.

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