Ärzte Zeitung, 08.10.2014

Hepatitis C

Übertragung auch durch Sex

Hepatitis C wird nicht nur über Blut, sondern offenbar auch durch sexuelle Kontakte übertragen. Das zeigt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Studie bei HIVPatienten.

Bis vor wenigen Jahren herrschte die Lehrmeinung, dass Hepatitis C (HCV) nur über Blut übertragen wird, also praktisch ausschließlich durch Bluttransfusionen oder durch den Austausch von Drogenspritzen.

Doch dann entdeckten Wissenschaftler, dass nicht nur intravenös Drogen konsumierende, sondern auch immer mehr homosexuelle HIV-Patienten an Hepatitis C erkrankten - auch in der Schweiz, wie der Schweizer Nationalfonds mitgeteilt hat.

Das Team um Roger Kouyos und Huldrych Günthard vom Universitätsspital Zürich ist der Frage nachgegangen, ob dieser Anstieg auf sexuelle Übertragungen zurückzuführen ist.

Sie verglichen den molekularen Aufbau der HI-Viren von fast 10.000 Patienten der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie in anonymisierter Form. Passen die Erbgutsequenzen der Viren von zwei Patienten zusammen, muss der eine sich höchstwahrscheinlich beim anderen angesteckt haben.

Die Forschenden bildeten auf diese Weise über 1500 PatientenPaare, bei denen zusätzlich bekannt war, ob sie auch mit Hepatitis C infiziert waren.

Es zeigte sich, dass HIV-Patienten mit einem HIV/HCV-positiven Partner ein zwei bis drei Mal so hohes Risiko haben, mit Hepatitis C infiziert zu sein als andere HIV-Positive.

Das erhöhte Risiko war nicht nur bei drogenabhängigen, sondern auch bei homosexuellen und bei heterosexuellen HIV-Patienten zu beobachten (Int. J. Epidemiol. (2014) 43 (3): 887-896).

"Das ist ein Hinweis darauf, dass es sexuelle Übertragungen von Hepatitis C gibt", wird Kouyos, der Erstautor der Studie in der Mitteilung zitiert.

Vor allem Homosexuelle gefährdet

Die Erkenntnisse sind wichtig für die Prävention. "HIV-positive Menschen mit Hepatitis C sollten keinen ungeschützten Sex haben", sagt Huldrych Günthard, der Präsident der HIV-Kohortenstudie.

Vor allem homosexuelle Menschen scheinen gefährdet zu sein. Weshalb, ist laut den Forschern noch nicht klar. "Eine mögliche Erklärung ist, dass es bei Analverkehr vermehrt zu Blutaustausch zwischen den Geschlechtspartnern kommt", so Günthard.

Bislang offen ist auch die Frage, ob die Hepatitis-C-Infektionen auch bei Nicht-HIV-Patienten ansteigen. Vier von fünf HCV-Fällen verlaufen in den Wochen und Monaten nach der Ansteckung symptomlos.

Erst Jahre später treten sichtbare, ernste Folgen auf: Bis zur Hälfte der Infizierten entwickelt eine Leberzirrhose. Hier zeige sich der Wert einer Kohortenstudie, bei der Patienten über Jahre immer wieder untersucht werden, so Günthard.

"Nur weil wir bei den Patienten in der HIV-Kohortenstudie regelmäßig Bluttests und Screenings durchführen, erkennen wir auch Hepatitis-C-Infektionen im frühen Stadium."

Das Ziel der seit 1988 bestehenden Studie ist, die HIV-Infektion und die Krankheit Aids genauer zu verstehen sowie die Betreuung der Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Dabei sammeln sämtliche in der Schweiz auf HIV spezialisierte Kliniken (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich) Daten zur Behandlung und zum Krankheitsverlauf.

Zurzeit nehmen über 8800 Personen an der Schweizerischen HIV-Kohorten-Studie teil, davon sind fast ein Drittel Frauen. (eb)

Mehr Infos zur Studie gibt es auf: www.shcs.ch

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