Ärzte Zeitung, 17.12.2015

Sauerei

Hepatitis-E-Gefahr in Wildschweinen!

Wer Wildschweinfleisch essen will, muss aufpassen: Beim Zubereiten sollte auf eine gute Hygiene in der Küche geachtet werden, betont das Bundesinstitut für Risikobewertung. Da sehr viele der Tiere Hepatitis-E-Viren in sich tragen, besteht die Gefahr einer Ansteckung.

Hepatitis-E-Gefahr in Wildschweinen

Vorsicht im Umgang mit Wildschweinfleisch: Besonders Jäger haben ein hohes Risiko, sich beim Ausweiden der Tiere mit Hepatitis-E-Viren zu infizieren.

© R. Babakin / fotolia.com

BERLIN. In Deutschland ist in den letzten Jahren die Zahl der gemeldeten Erkrankungen mit Hepatitis-E-Viren (HEV) stark gestiegen. Eine Quelle der Infektionen sind dabei offenbar Haus- und Wildschweine.

Mehrere Studien haben gezeigt, dass das HEV bei den Tieren weit verbreitet ist. Die infizierten Schweine zeigen dabei selbst keine Erkrankungszeichen, können das Virus aber auf den Menschen übertragen.

Für Jäger besteht daher durch den direkten Kontakt zu dem Fleisch der gejagten Tiere ein erhöhtes Infektionsrisiko, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Mitteilung.

"Dieses Risiko kann durch das Tragen von Handschuhen beim Aufbrechen und Zerlegen des erlegten Wildes und der anschließenden Zubereitung von Wildschweinfleisch erheblich verringert werden", betont der Präsident des BfR Professor Andreas Hensel in dem Papier.

Das BfR hat in Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen das Infektionsrisiko im Umgang mit Wildschweinen im Wetteraukreis in Hessen untersucht (BMC Infectious Diseases 2015, 15: 440).

Jeder Fünfte mit HEV-Antikörpern

Anlass für die aktuelle Studie war ein Fall von akuter Hepatitis E bei einem Familienangehörigen eines Jägers. Das für den Wohnort zuständige Kreis-Veterinäramt initiierte daraufhin eine Untersuchung.

Die Maßnahmen dazu wurden vom BfR koordiniert und in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler-Institut und dem Robert Koch-Institut vorgenommen. Analysiert wurden die Verbreitung von HEV und HEV-spezifischen Antikörpern bei Jägern des Landkreises sowie bei den Wildschweinen ihrer Reviere.

Gesucht wurden zudem Risiko- und Schutzfaktoren für eine HEV-Übertragung auf die Jäger. Hierfür wurden Blutproben der Jäger und der erlegten Wildschweine untersucht. Die Jäger füllten zudem einen eigens dafür erstellten Fragebogen zu ihrem Jagdverhalten aus.

Das Ergebnis: 21 Prozent von 126 untersuchten Jäger hatten Antikörper gegen HEV im Blut. Dies decke sich in etwa mit der in Deutschland ermittelten HEV-Antikörper-Prävalenz in der Bevölkerung (17 Prozent).

Besonders die Altersgruppe der über 70-jährigen Jäger zeigte eine sehr hohe HEV-Antikörper-Nachweisrate von 67 Prozent, deren Ursache bisher ungeklärt ist.

Handschuhe bieten Schutz

Bei den 46 erlegten Wildschweinen zeigten sich deutliche lokale Unterschiede beim Nachweis von HEV und HEV-spezifischen Antikörpern.

Abhängig vom Ort ihrer Erlegung wurden Antikörper in 22 bis 47 Prozent der Tiere gefunden. Träger von HEV waren 0 bis 33 Prozent der Tiere. Das Virus ließ sich dabei sehr häufig in der Leber und in einem Fall auch in der Muskulatur nachweisen.

Die Auswertung der Fragebögen zeigte: In einem Gebiet mit sehr hoher HEV-Durchseuchung bei den Wildschweinen hatten Jäger, die beim Ausweiden der Tiere häufig Handschuhe trugen, eine um 88 Prozent niedrigere Nachweisrate HEV-spezifischer Antikörper als Jäger, die darauf verzichteten.

Das Tragen von Handschuhen beim Ausweiden und Zerlegen von Wildschweinen ist daher ein wirksamer Schutz vor einer Übertragung von HEV, betont das BfR in der Mitteilung.

Generell sei beim Aufbrechen von Wildtieren auf sorgfältige Hygiene zu achten, auch zum Schutz vor anderen Erregern. Der HEV-Nachweis in Leber und Muskelfleisch weist auch auf die Möglichkeit einer Virus-Übertragung durch Lebensmittel vom Wildschwein hin.

Sorgfältige Küchenhygiene und ein vollständiges Durchgaren des Wildschweinfleisches und der Fleischprodukte vor dem Verzehr sind hier ein wirksamer Schutz vor einer Virusübertragung. (eb/eis)

[17.12.2015, 09:24:46]
Dr. Michael Traub 
Herausforderung an die Forschung
Diese eher zufällige Hinweis auf eine Krankheitsübertragung weist wieder einmal darauf hin, wie wichtig infektiologische Forschung ist, nicht nur die Erprobung neuer Antibiotika. Rohschinken, Bündner Fleisch, Salami: wie kann gesichert werden, daß sie volksgesundheitlich unbedenklich sind?
Da ist noch Einiges zu tun, Ihr Beitrag ist ein kleines Mosaiksteinchen dazu.
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