Ärzte Zeitung, 31.10.2014

Post-Zoster-Neuralgie

Komplikationen werden immer häufiger

In Deutschland nimmt die Inzidenz von Post-Zoster-Neuralgien nach neuen Studiendaten zu. Besonders alte Menschen könnten aber von Impfungen profitieren.

Komplikationen werden immer häufiger

Die Inzidenz von Herpes zoster wird zunehmen, zeigen Studiendaten, vor allem ältere Menschen sind betroffen.

© Dr. Elke Eberhardt / Arteria Photography

BREMEN. Über 95 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben in der Kindheit die Windpocken durchgemacht und damit ein Risiko für eine Reaktivierung der in den Ganglien von Sinneszellen schlummernden Varizella-zoster-Viren (VZV).

Das Lebenszeit-Risiko für einen Herpes zoster (Gürtelrose) in der Bevölkerung beträgt dabei 20 bis 30 Prozent und wächst mit dem Alter auf über 50 Prozent bei den über 85-Jährigen. Durch die demografische Entwicklung nimmt die Inzidenz zu, wie jetzt eine aktuelle Studie bestätigt hat.

Für die Untersuchung wurden Daten der "German Pharmacoepidemiological Research Database" (GePaRD) von sieben Millionen Mitgliedern dreier Krankenkassen aus ganz Deutschland aus den Jahren 2005 bis 2009 analysiert.

Die Inzidenz von Herpes zoster (HZ) stieg in dieser Zeit bei den über 50-Jährigen von 10,4 auf 10,9 Erkrankungen pro 1000 Personenjahre, wie die Forscher um Dr. Kathrin Hillebrand vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen berichten (J Infect 2014; online 16. September).

Gut 70 Prozent der Betroffenen wurden systemisch antiviral behandelt, und zwar ganz überwiegend mit Aciclovir oder Brivudin.

Immer mehr Post-Zoster-Neuralgien

Besonders schwer wiegt, dass der Anteil der HZ-Erkrankungen mit Komplikationen steigt: Im Jahr 2005 litten 11,5 Prozent der Betroffenen im Anschluss an die Gürtelrose an Post-Zoster-Neuralgien (PZN), 2009 waren dies 14,9 Prozent.

Auch die Komplikationen nehmen mit dem Alter zu: Bei den 80- bis 84-jährigen mit HZ hatten 2009 später 21,7 Prozent eine PZN. Insgesamt 3,7 Prozent der Patienten mit Herpes zoster wurden stationär behandelt.

"Wahrscheinlich wird die Krankheitslast wegen der demografischen Entwicklung künftig weiter steigen", betonen die Forscher.

Die Zunahme der Inzidenz mit dem Alter lege nahe, dass die über 50-Jährigen eine Zielgruppe für die Impfung wären. Das gilt vor allem auch, weil die Inzidenz von Komplikationen mit dem Alter schneller zunimmt als die Zahl der Erkrankungen.

In Studien reduzierte der Impfstoff bei gesunden Personen ab 50 Jahren das Risiko, an Herpes Zoster zu erkranken, um etwa 50 Prozent. Die Aufnahme der Herpes-Zoster-Impfung in den Impfkalender wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) diskutiert. (ple/eis)

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