Ärzte Zeitung, 12.07.2004

Vakzine schützt vor Virus-assoziierter Pneumonie

Pneumokokken-Impfstoff für Kleinkinder / Lungenentzündungen mit Virusnachweis um ein Drittel reduziert

ATLANTA (eis). Eine konjugierte Pneumokokken-Vakzine schützt Kleinkinder auch vor Pneumonien, die durch Viren verursacht werden. Das hat jetzt eine Studie mit 37 107 Kindern in Soweto (Südafrika) ergeben. Die Daten bestätigen, daß einem großen Teil bakterieller Pneumonien Virusinfektionen wie Influenza vorausgehen.

In der Studie wurden je etwa die Hälfte der Kinder bis zum Alter von neun Monaten dreimal mit einem neunvalenten konjugierten Pneumokokken-Impfstoff oder mit Placebo geimpft. Während der im Mittel zweijährigen Nachbeobachtung erkrankten in der Placebo-Gruppe 679 Kinder an Pneumonie jedweder Ursache, in der Impfgruppe waren es 544 Kinder. Durch die Impfung wurden also 20 Prozent aller Pneumonien verhindert, wie Dr. Keith Klugman von der Emory University in Atlanta im US-Staat Georgia und seine Kollegen berichten (Nature Medicine, Online-Ausgabe).

An virusbedingten Pneumonien - belegt durch Erregernachweis im nasopharyngealen Abstrich - erkrankten in der Placebo-Gruppe 231 und in der Impfgruppe 160 Kinder (minus 31 Prozent). Isoliert wurden dabei Influenza-A-Viren, Respiratory Syncytial Viren, Parainfluenza-Viren und Adenoviren.

      Bei Pneumonien bahnen Viren den Bakterien den Weg.
   

"Die Daten legen nahe, daß bei den meisten Kindern mit Virus-assoziierter Pneumonie in der Klinik die Erkrankung durch bakterielle Sekundärinfektionen verursacht wird", so Klugman: "Das heißt, einem großen Teil der Pneumokokken-Pneumonien gehen virale Infekte voraus." Die Vakzine schützt nach seinen Angaben vor 87 Prozent der Pneumokokken, die in der Studie isoliert wurden, jedoch nicht vor anderen Atemwegskeimen wie Staph. aureus.

Nur konjugierte Impfstoffe können Kinder bis zwei Jahre vor Pneumokokken-Infekten schützen. Bisher ist nur eine siebenvalente Vakzine verfügbar (Prevenar®). Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Schutz Frühgeborenen sowie Säuglingen ab dem zweiten Monat, die wegen einer Grunderkrankung besonders gefährdet sind.

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