Ärzte Zeitung, 28.10.2004

Polio-Eradikation in der entscheidenden Phase

Die WHO hofft, schon nächstes Jahr die Erreger eliminieren zu können / Große Impfkampagnen in Afrika

NEU-ISENBURG (eis). Die weltweite Eradikation von Polioviren ist in eine entscheidende Phase getreten. Die WHO hofft, schon nächstes Jahr die Zirkulation der Erreger stoppen zu können, wie zum heutigen Welt-Poliomyelitis-Tag berichtet wird.

Durch Poliomyelitis gelähmte Kinder in einem Reha-Zentrum in Neu Dehli. In diesem Jahr sind in Indien nur noch 62 Menschen an Polio erkrankt. Foto: WHO/P.Virot

Mit Poliomyelitis könnte nach den Pocken 1980 eine weitere Infektionskrankheit durch Impfkampagnen weltweit eradiziert werden. Die Erfolge der 1988 begonnenen Eradikations-Aktionen sind dabei beachtlich:

-Erkrankten 1988 weltweit noch 350 000 Menschen an Polio so sind es dieses Jahr nur noch 800,
-in Europa, Amerika und in der WHO-Region Westpazifik gibt es keine zirkulierenden Polioviren mehr,
-Dreiviertel aller Poliopatienten weltweit gab es 2003 in wenigen Regionen Nigerias, Indiens und Pakistans.

Allerdings hat es in den vergangenen Jahren auch Rückschläge gegeben. So kam es 2002 in Indien und in diesem Jahr in Westafrika erneut zu Ausbrüchen. Anfang Oktober sind daher 80 Millionen Kinder in 23 westafrikanischen Staaten gegen Polio geimpft worden (wir berichteten).

Weitere Impfaktionen in der Region sollen im November und Anfang 2005 folgen. "Gerade in der letzten Phase der Polio-Eradikation ist ein hoher finanzieller und personeller Aufwand nötig", so Professor Adolf Windorfer und sein Kollege Konrad Breyer vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt in Hannover (Epi Bull 43, 2004, 367). Solange die Eradikation nicht abgeschlossen ist, besteht auch für Deutschland weiter die Gefahr, daß Polioviren eingeschleppt werden.

Die beiden Experten der Nationalen Kommission für die Polio-Eradikation in Deutschland appellieren daher an Kollegen, weiter konsequent zu impfen. "Jeder Mensch in Deutschland sollte vier dokumentierte Polioimpfungen haben", so Windorfer. Zudem ist es wichtig, akute schlaffe Lähmungen bei Kindern unter 15 Jahren zu melden, und zwar bei: Zentrale Erfassungsstelle für Poliomyelitis, Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Rosebeckstr. 4-6, 30449 Hannover, E-Mail: polio@nlga.niedersachsen.de

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