Ärzte Zeitung, 03.11.2004

Wer fleißig gegen Grippe impft, rettet vielen Menschen das Leben

Schutz nach Wiederholungsimpfungen besonders gut / Niederländische Studie

ROTTERDAM (eis). Der Grippeschutz ist eine Fleißaufgabe. Je öfter Patienten die jährliche Impfung erhalten, desto besser sind sie geschützt, wie jetzt niederländische Forscher in einer großen Studie belegt haben.

Piks mit großer Wirkung: 195 Wiederimpfungen reichen aus, um einen Todesfall zu verhindern. Foto: dpa

Ziel der Studie war es, die Wirkung des Grippe-Impfprogramms in den Niederlanden auf die Sterberate älterer Menschen zu untersuchen, wie Dr. Bruno H. Ch. Stricker vom Erasmus Medical Center in Rotterdam und seine Kollegen berichten (JAMA 292, 2004, 2089). Dazu wurden die Daten eines medizinischen Registers von 150 niedergelassenen Allgemeinmedizinern aus den Jahren 1996 bis 2002 analysiert.

Von den 26 071 Patienten im Alter über 65 Jahre wurde dabei für jedes Jahr der Impfstatus registriert und mit der jeweiligen Sterberate verglichen. Während der sechsjährigen Untersuchung starben insgesamt 3485 der Studienteilnehmer. Für jede erste Grippe-Impfung wurde dabei eine jährliche Reduktion des Sterberisikos um 10 Prozent ermittelt.

Bei einer Wiederholungsimpfung sank das Sterberisiko weiter. Insgesamt berechneten die Forscher, daß 302 Erstimpfungen nötig sind, um ein Menschenleben zu retten. Bei Probanden mit Impfungen in zwei oder mehreren aufeinanderfolgenden Jahren reichten 195 Wiederholungsimpfungen aus, um einen Todesfall zu verhindern.

In den Zeiten von Grippewellen war die Sterberate bei den Geimpften um 28 Prozent erniedrigt. Am meisten profitierten dabei Hochbetagte und Menschen ohne chronische Erkrankungen von der Schutzwirkung. Wurde die Impfserie einmal unterbrochen, dann erhöhte sich das Sterberisiko im ersten Jahr ohne Impfung wieder um 25 Prozent und in den nächsten Jahren weiter.

"Die Ergebnisse stützen die Empfehlung, ältere Menschen jedes Jahr gegen Grippe zu impfen", ist das Fazit von Stricker. Dadurch wird die Sterberate klar gesenkt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Höchste Eisenbahn für den Grippeschutz

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. Offenbar fällt es aber schon Kindern schwer, ihre Bewegungsmuster zu ändern. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethische Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »