Ärzte Zeitung, 06.12.2004

Diphtherie-Vakzinen sind für die Impflinge sehr sicher

Weniger als drei Verdachtsfälle auf unerwünschte Wirkungen bei 100 000 verkauften Dosen registriert / Daten aus 65 Monaten analysiert

MARBURG (nsi). Hat die Impfung unerwünschte Wirkungen? Kann sie bleibende Schäden hervorrufen? Das sind Fragen von Patienten , wenn es ums Impfen geht. Erst die breite Anwendung von Vakzinen ermöglicht es, sehr seltene unerwünschte Effekte zu entdecken.

Erwachsene brauchen alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung gegen Diphtherie. Foto: Chiron Vaccines Behring

Für den Diphtherie-Adsorbat-Monoimpfstoff Behring hat das Unternehmen Chiron Vaccines Behring jetzt aktuelle Zahlen vorgestellt: Auf 100 000 verkaufte Dosen kommen danach weniger als drei gemeldete Verdachtsfälle auf unerwünschte Wirkungen, davon die Hälfte lokale Reaktionen und grippeähnliche Symptome. Bleibende Schäden oder gar Todesfälle sind nicht aufgetreten.

Das hat Dr. Renald Hennig, Leiter der Abteilung Arzneimittelsicherheit des Unternehmens, bei einem Presseseminar in Marburg gesagt. In die Datenanalyse sind Meldungen aus 65 Monaten (bis Januar 2004) eingegangen, ein Zeitraum, in dem 2,8 Millionen Dosen der Monovakzine für Erwachsene verkauft worden sind.

"Natürlich werden in Studien mit den Vakzinen mehr Verdachtsfälle auf unerwünschte Effekte registriert", sagte Hennig, nämlich drei bis fünf pro hundert Anwendungen. Gleichwohl seien die Diphtherie-Impfstoffe - ob als Kombi- oder Monovakzine - sicher, so Hennig. Allergische Reaktionen oder neurologische Komplikationen seien selten.

"Absolute Sicherheit kann es bei keinem Medikament geben", so der Wissenschaftler. Die Pflicht zur Weiterbeobachtung höre deshalb auch nicht auf, wenn es schon eine lange Erfahrung in der Anwendung eines Impfstoffs gibt. Nur so ließen sich auch sehr seltene unerwünschte Effekte entdecken und die erforderlichen Konsequenzen ziehen, zum Beispiel eine Änderung der Packungsbeilage.

Hennig forderte dazu auf, den Verdacht auf eine unerwünschte Arzneimittelwirkung weiterzugeben. In 60 bis 70 Prozent der Fälle wendeten sich die Ärzte direkt an den Hersteller, da sie oft auch konkrete Fragen zum Impfstoff hätten. Weitere Ansprechpartner seien die Gesundheitsämter und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Alle Meldungen münden in eine gemeinsame Datenerfassung: beim Paul-Ehrlich-Institut in Langen.

Gegen Diphtherie werden Säuglinge ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat grundimmunisiert. Bei Erwachsenen sind Auffrischimpfungen alle zehn Jahre nötig.

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