Ärzte Zeitung, 11.02.2005

Supervirus soll helfen, Pandemie abzuwenden

Forscher wollen neues Grippevirus im Labor züchten / Klinische Studien mit DNA-Vakzine gegen Tbc noch in diesem Jahr

NEU-ISENBURG (mut). Mit neuen Strategien wollen Forscher künftige Epidemien verhindern. So versuchen Wissenschaftler in Rotterdam, Super-Grippeviren aus Hühnergrippe- und Human-Influenza-Viren zu züchten. Sie sollen als Basis zur Impfstoff- und Medikamenten-Entwicklung dienen. Und in Berlin haben Forscher bereits eine neue Vakzine gegen Tbc hergestellt.

Ein Arzt kümmert sich um einen Thailänder, der an Vogelgrippe erkrankt ist. Virologen befürchten, das Vogelgrippe-Virus könnte eine Pandemie auslösen. Foto: dpa

Nach Befürchtungen vieler Virologen steht eine neuen Grippe-Pandemie mit möglicherweise Millionen Toten vor der Tür. "Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Pandemie nimmt mit jedem Tag zu", so der Leiter des WHO-Influenzaprogramms Dr. Klaus Stöhr am Mittwoch in der ZDF-Sendung "Abenteuer Wissen". Der Grund: Das Vogelgrippevirus H5N1 scheint sein Wirtspektrum immer weiter auszudehnen.

Professor Albert Osterhaus aus Rotterdam in den Niederlanden will jedoch nicht warten, bis eine H5N1-Variante eine Pandemie bei Menschen auslöst. Der Forscher will im Labor ein potentielles Supervirus herstellen. "Nur an einem künstlich erzeugten Killer kann man jetzt bereits Abwehrmaßnahmen erforschen", so Osterhaus in der ZDF-Sendung.

Der Forscher wählt das derzeit favorisierte Szenario für ein neues Pandemie-Virus: Eine Kreuzung zwischen Vogelgrippe- und Human-Influenza-Virus. Ein solches Geschöpf könnte so tödlich wie H5N1 und gleichzeitig so kontagiös wie ein humanes Grippevirus sein. Osterhaus will dazu menschliche Zellen in vitro erst mit Human-Influenza-Viren, dann mit H5N1 infizieren.

Dabei wird sich zeigen, ob tatsächlich gefährliche Mischviren entstehen. Gegen die könnte man dann Impfstoffe entwickeln. Der Forscher braucht dazu jedoch erst ein neues Hochsicherheitslabor. Das soll Ende 2005 fertig sein.

Eine andere Gefahr kommt aus Osteuropa. Dort breitet sich Tuberkulose immer mehr aus. Ein Therapie ist sehr schwierig und aufwendig. Ein Team um Professor Stefan Kaufmann aus Berlin hat nun eine DNA-Vakzine entwickelt und bereits erfolgreich im Tierversuch getestet (wir berichteten). Ab November soll es erste klinische Studien damit geben.

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