Ärzte Zeitung, 07.03.2005

Impfexperten raten zu mehr Tollwutschutz bei Fernreisen

Vor allem Rucksacktouristen haben ein erhöhtes Risiko / Prophylaxe nach Hundebiß ist in Entwicklungsländern nicht immer möglich

FRANKFURT AM MAIN (KHS/eis). Die Übertragung von Tollwut über Spenderorgane - wie gerade in Deutschland geschehen - ist ein äußerst seltenes Ereignis und wird bei uns in den nächsten Jahren wohl kaum noch einmal auftreten. Impfexperten raten jedoch dazu, bei der Beratung von Reisenden in Risikoländer verstärkt auf die Tollwut-Impfung hinzuweisen.

Eine Impfung hat höchstwahrscheinlich den Empfänger eines Organs der Tollwut-infizierten Frau aus Mainz vor der Erkrankung bewahrt, hat Professor Tino Schwarz beim 4. Symposium Reise- und Impfmedizin in Frankfurt am Main erinnert. Denn ist Tollwut erst ausgebrochen, verläuft die Erkrankung praktisch immer tödlich. Deshalb sollte vor allem vor Reisen in Risikoländer wie Vietnam oder Burma eine Tollwutimpfung erwogen werden, sagte der Chefarzt am Zentrallabor des Krankenhauses der Stiftung Juliusspital in Würzburg.

Zu den Risikoländern gehören unter anderen auch die Türkei, Thailand, China, Südafrika, Indien, die Dominikanische Republik und Mexiko (MMW 145, 2003, Originalien Nr. IV). Bei Fernreisen in solche Länder werde nach Schätzungen immerhin einer von 500 Reisenden von einem tollwutverdächtigen Hund gebissen, so Schwarz. Vor allem Rucksackreisende haben ein erhöhtes Risiko.

Schwarz erinnerte daran, daß in einigen Entwicklungsländern nur alte Impfstoffe mit erheblichen unerwünschten Wirkungen zur Verfügung stünden und es Immunglobuline für die Prophylaxe nach einem Biß überhaupt nicht gebe. Die modernen Impfstoffe seien hingegen "sicher und gut verträglich", so Schwarz. 14 Tage nach der Grundimmunisierung mit drei Impfdosen binnen drei Wochen sei der Schutz vorhanden. Nach fünf Jahren wird eine Auffrischimpfung empfohlen.

Bei Verletzungen durch ein tollwutverdächtiges Tier wie Bißwunden oder Kratzer sind zur Postexpositionsprophylaxe bei Ungeimpften unverzüglich eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen und eine Impfung mit fünf Impfdosen binnen vier Wochen zu beginnen. Ist ein Verletzter vollständig geimpft, ist nur eine Auffrischung mit drei Impfdosen nötig. Wegen des Infektionsrisikos bei Bißverletzungen rät Schwarz zudem zu Antibiotika.

Die Tollwutprophylaxe ist wegen des möglichen Infektionsrisikos auch nötig, wenn Impfflüssigkeit von Impfködern mit verletzter Haut in Berührung gekommen ist. Vor allem bei Kindern sei darauf zu achten. Auch Jäger sollten vor Jagdausflügen etwa nach Osteuropa darauf hingewiesen werden.

Obwohl es auch in Deutschland Tollwut-Risikogebiete gibt, scheint die Gefahr, sich hier anzustecken, relativ gering zu sein. Von 1996 bis 2004 sind nur zwei Menschen in Deutschland an Tollwut gestorben, die sich beide bei Hundebissen (in Sri Lanka und in Indien) infiziert hatten. Weltweit erkranken nach WHO-Angaben jährlich 60 000 Menschen an Tollwut, 30 000 davon in Indien.

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