Ärzte Zeitung, 02.11.2005

Plädoyer für die Meningokokken-C-Impfung aller Kinder

20 bis 30 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an Meningokokken-C-Infekten / In Sachsen wird bereits empfohlen, alle Kinder zu impfen

DRESDEN (scho/eis). Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 750 Menschen - meist Kinder und Jugendliche - an einer Meningokokken-Meningitis. 29 Prozent der Patienten waren im vergangenen Jahr mit dem Typ C infiziert, gegen den es wirksame Impfstoffe gibt. Die Impfung wird jedoch bisher nur in Sachsen allen Kindern und Jugendlichen empfohlen.

Meningokokken unter dem Elektronenmikroskop. Foto: Baxter

Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät in Deutschland Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten zur Meningokokken-Impfung, ebenso Reisenden in Endemieländer. Auch Schülern oder Studenten wird vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit allgemeiner Impfung zu dem Schutz geraten. Dazu gehören etwa Großbritannien, USA, Kanada oder Spanien.

Zum Meningokokken-C-Schutz werden moderne Konjugat-Impfstoffe wie NeisVac-CTM empfohlen. Professor Siegwart Bigl von der Sächsischen Impfkommission spricht sich darüber hinaus für einen Meningokokken-Impfschutz aller Kinder und Jugendlicher in Deutschland aus.

Dazu müßte es eine entsprechende STIKO-Empfehlung geben, sagte er bei einer Presseveranstaltung des Unternehmens Baxter Bio-Science in Dresden.

Meningokokken-Infektionen sind zu Beginn meist unspezifisch mit Fieber, Erbrechen und Grippe-ähnlichen Symptomen, wie Professor Volker Schuster von der Universitäts-Kinderklinik in Leipzig gesagt hat. Als eitrige Meningitis, Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom und Multiorganversagen kann die Infektion jedoch einen fulminanten Verlauf nehmen und unter Umständen binnen Stunden zum Tode führen.

Durch Impfungen könnten in Deutschland nicht nur Menschen vor schweren Erkrankungen mit zum Teil lebenslanger Behinderung, sondern auch jährlich zehn bis 20 Todesfälle vermieden werden, so Schuster.

Bislang würden die Kosten der Impfung in Sachsen nur von der Techniker Krankenkasse für alle Kinder bezahlt. Patienten anderer Kassen hätten jedoch gute Chancen, einen Antrag auf Kostenerstattung genehmigt zu bekommen, so eine TK-Sprecherin.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »