Ärzte Zeitung, 12.09.2006

23 Impfstoffe gegen Krebs und Infektionen in der Entwicklung

GSK erwartet Vakzine gegen Zervix-Ca nächstes Jahr

BERLIN (gvg). Mittelohrentzündung, Bronchialkrebs, Tuberkulose: Das sind nur drei von 23 Erkrankungen, gegen die das Unternehmen Glaxo-SmithKline (GSK) neue Impfstoffe klinisch testet.

Über einen neuen konjugierten Impfstoff gegen Pneumokokken-Infektionen für Kleinkinder hat Professor Torsten Strohmeyer von GSK bei einer Veranstaltung in Berlin berichtet. Außer gegen invasive Pneumokokken-Infektionen wie Meningitis und Sepsis soll die neue zehn-valente Vakzine auch gegen Otitis media schützen. Die Vakzine wird gerade in einer Phase-III-Studie getestet.

Enthalten sind Antigene von zehn Pneumokokken-Serotypen und damit drei mehr als in dem bisher verfügbaren siebenvalenten Impfstoff (zusätzlich Serotypen 1, 5 und 7F). Die in Europa zirkulierenden Pneumokokken-Serotypen würden mit der neuen Vakzine daher besser abgedeckt, so der medizinische Direktor von GSK.

In dem neuen Impfstoff sind die Pneumokokken-Antigene nicht wie bei der verfügbaren Vakzine an ein Diphtherie-Protein, sondern an ein Protein des Bakteriums Haemophilus influenzae gebunden. Das biete auch zusätzlichen Schutz gegen den Keim Haemophilus influenzae, der etwa 40 Prozent aller bakteriellen Otitis-media-Infektionen verursacht, so Strohmeyer.

    Dengue-Fieber, Tuberkulose, Melanome sind Schwerpunkte der Forschung.
   

Schon weiter in der klinischen Entwicklung ist der Impfstoff Cervarix® gegen humane Papillomviren (HPV). Die Vakzine soll gegen Gebärmutterhalskrebs schützen, der von HPV verursacht wird. Die Zulassung des Impfstoffs wird für die erste Hälfte des Jahres 2007 erwartet.

Als weiteren anti-Tumor-Impfstoff testet GSK in einer Phase-II-Studie eine therapeutische Vakzine für Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom oder malignem Melanom. Der Impfstoff enthält das tumorspezifische Antigen MAGE-3. In Studien sei eine statistisch signifikante Immunantwort gegen Tumorzellen erreicht worden. "Wir haben außerdem erste Hinweise auf eine Verzögerung der Tumorprogression", so Strohmeyer in Berlin. Die Ergebnisse seien auf der Jahrestagung der American Society for Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt worden.

Noch nicht ganz so weit ist die Entwicklung eines neuen Tuberkulose-Impfstoffs. Phase-I/II-Studien zur Sicherheit und Immunogenität sollen jetzt in Afrika und Indien starten, wo die Tuberkulose endemisch ist. Phase-II-Studien zur Effektivität könnten dann 2008 beginnen. In Phase-II-Studien testet das Unternehmen zudem Impfstoffe gegen Dengue-Fieber, Epstein-Barr-Virus (EBV) und Hepatitis E.

Mehr Infos zum Impfen im Internet: www.rki.de (Infektionsschutz) und www.gsk-impfakademie.de

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