Ärzte Zeitung, 14.12.2006

Ärzte fordern einheitlichen Impfplan

"Forum Impfen" für flächendeckende Erfolgskontrolle

BERLIN (te). Vier Jahre vor dem definierten Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Masern-Erkrankungen bis zum Jahr 2010 in Europa zu eliminieren, gibt es in Deutschland noch über 2200 Masern-Patienten in einem Jahr. Aus diesem Grund hat das "Forum Impfen", ein Zusammenschluß aus Ärzten, Wissenschaftlern und Unternehmen, ein umfassendes Impfkonzept gefordert.

"Die bisherige Organisation ist unzureichend", sagte der Infektiologe und STIKO-Vorsitzende Heinz-Josef Schmitt von der Kinderklinik der Universität Mainz auf einer Veranstaltung in Berlin. Er forderte, daß in Deutschland neue Impfziele definiert werden, die dann auch flächendeckend umgesetzt werden müssen.

Nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin sind die föderalen Strukturen eine der größten Hürden für die standardisierte Versorgung. Zwar seien die Impfquoten in den westlichen Bundesländern gestiegen, sie lägen aber immer noch weit hinter den Impfquoten in den Bundesländern im Osten zurück. Speziell gegen Masern und Hepatitis B würde die Bevölkerung in Deutschland zu wenig geimpft. Dadurch sei die Gefährdung der Bürger etwa vor Gehirn- und Lungenentzündungen längst noch nicht gebannt.

"Masernerkrankungen sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können tödlich enden", sagte Christiane Meyer vom RKI. Ihrer Ansicht nach würden Impfempfehlungen nicht richtig umgesetzt. Ausbruchsuntersuchungen zeigten, daß Erkrankte in der Regel keine oder allenfalls nur eine Impfung erhalten hatten.

Bei dem jüngsten Masernausbruch in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr diesen Jahres waren 1720 Menschen erkrankt (wir berichteten). Acht Prozent von ihnen hatten später angegeben, ihr Hausarzt habe die Impfung nicht angeboten. Bei 27 Prozent soll der Hausarzt von der Impfung abgeraten haben.

Das "Forum Impfen" sprach sich außer einem einheitlichen Impfplan auch für eine flächendeckende Erfolgskontrolle aus. Bisher fehlten repräsentative Daten zur Durchimpfung in allen Altersgruppen.

Weitere Informationen zum Thema im Internet www.forum-impfen.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »