Ärzte Zeitung, 15.07.2008

Jugendlichen fehlt oft Pertussis-Impfung

Besonders im Westen gibt es große Impflücken / Erkrankungszahlen steigen - auch bei unter Einjährigen

BERLIN (hub). Die Impfraten gegen Pertussis sind besonders bei älteren Kindern und Jugendlichen ungenügend. So ist im Westen jeder zweite 14- bis 17-Jährige ungeimpft.

Jugendlichen fehlt oft Pertussis-Impfung.

Foto: Klaro

Zu dem Ergebnis kommt eine Auswertung des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Vor allem in den alten Bundesländern gibt es deutliche Defizite bei der Keuchhusten-Impfung: Von den 11- bis 13-Jährigen sind 22 Prozent nicht gegen Pertussis geimpft, in den neuen Bundesländern sind das nur 6 Prozent (Epid Bull 27, 2008, 213). Besonders deutlich ist der Unterschied bei 14- bis 17-Jährigen. 57 Prozent dieser Altersgruppe sind im Westen ungeimpft, im Osten nur 8 Prozent. Bei Kindern bis zu einem Alter von sechs Jahren gibt es keine Unterschiede.

Parallel dazu nehmen die Erkrankungszahlen zu, belegen Daten aus vier der fünf neuen Bundesländer. Wurden 2002 etwa 30 Erkrankungen pro 100 000 der 10- bis 14-Jährigen gemeldet, waren es 2007 etwa 160 auf 100 000 - mehr als fünfmal so viel. Auch bei Säuglingen und Kleinkindern unter einem Jahr gibt es mehr Erkrankungen. Von 2002 bis 2007 wurde eine Zunahme von 18 auf 66 pro 100 000 beobachtet - fast eine Vervierfachung.

Erkrankungszahlen steigen: Keuchhusten ist bei Säuglingen besonders gefährlich.

Für eine Auffrischimpfung bei Vorschulkindern und Jugendlichen sei jeder für diese Altersgruppe zugelassene Impfstoff mit reduziertem Pertussis-Antigengehalt (ap) geeignet, etwa ein dTap- oder dTap-Polio-Impfstoff, heißt es in dem Artikel. Für die Grundimmunisierung bisher ungeimpfter älterer Kinder ist keine Vakzine zugelassen. Eine aktuelle Studie habe gezeigt, dass eine Injektion mit einem dTap-Impfstoff bei über 10-jährigen Ungeimpften ohne Pertussis-Anamnese zu ähnlichen Immunantworten führe wie bei als Säugling grundimmunisierten Kindern.

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