Ärzte Zeitung Extra, 09.09.2008

Prävention

Hausärzte müssen Impflücken schließen

Meningokokken-C-Impfung: Ein kleiner Pieks schützt vor lebensgefährlichen invasiven Infekten.

Foto: AOK-Mediendienst

Ab dem ersten Geburtstag reicht eine einzige Impfung / Niedrige Impfraten bei älteren Kindern und Jugendlichen

Bei allen Kindern in Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen Meningokokken C. Kinder sollten dabei ab dem 12. Lebensmonat geschützt werden. Versäumte Impfungen sind bis zum 18. Geburtstag nachzuholen. Besonders Hausärzte sind gefragt, wenn es gilt, bei älteren Kindern und Jugendlichen die Impflücken zu schließen.

Bakterielle Meningitiden werden in Deutschland vor allem durch Meningokokken der Serogruppen B und C verursacht. Eine Impfung gibt es nur gegen den Typ C, der etwa ein Drittel der Infektionen hervorruft. Dagegen sind in Deutschland mehrere gut wirksame Konjugatimpfstoffe auf dem Markt. Die Erkrankungsgipfel liegen bei kleinen Kindern und bei 15- bis 19-Jährigen. Entsprechend empfiehlt die STIKO seit 2006, alle Kinder im zweiten Lebensjahr (ab dem 12. Monat) mit einem Konjugatimpfstoff gegen Meningokokken C (MenC-Impfung) zu schützen und versäumte Impfungen bis zum 18. Lebensjahr nachzuholen. Dabei genügt eine einzige Impfdosis.

Im ersten Lebensjahr sind drei Impfungen nötig

In Pionierländern der MenC-Impfung wie Großbritannien, Spanien oder Irland werden Kinder bereits ab dem zweiten Lebensmonat geimpft. In diesem Alter ist das Immungedächtnis allerdings noch schwach. Es muss daher insgesamt dreimal geimpft werden.

Wird dagegen erst im zweiten Lebensjahr geimpft, bringt schon eine einzige Impfung einen ausreichenden und anhaltenden Schutz, wie in einer Studie in den Niederlanden belegt worden ist (The Pediatric Infectious Disease Journal 25, 2006, 79).

Deshalb hat die STIKO auf dieselbe Impfstrategie gesetzt, die in dem Nachbarland sehr wirkungsvoll ist. Seit dort 2002 die MenC-Impfung eingeführt wurde, sind invasive Meningokokken-C-Erkrankungen in der Bevölkerung um über 98 Prozent zurückgegangen. Grundlage des Erfolgs war dort allerdings eine Impfkampagne im Jahr 2002, bei der fast alle Kinder und Jugendlichen bis 19 Jahre einmal geimpft worden sind.

Außer Kindern und Jugendlichen wird die MenC-Impfung auch gesundheitlich Gefährdeten wie Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten oder Asplenie empfohlen sowie gefährdetem Laborpersonal.

Die Impfraten bei Kleinkindern sind in Deutschland bereits relativ gut. Anders bei älteren Kindern und Jugendlichen: Dort variieren die Impfraten von Bundesland zu Bundesland. So sind nach Stichproben in Sachsen schon etwa 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen geimpft, in Bayern aber nur zehn bis 15 Prozent. Angestrebt werden Impfraten von 80 Prozent der Kinder eines Jahrgangs. Es besteht also ein großer Nachholbedarf, vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen.

Jeder Kontakt zu Jugendlichen lässt sich für Impfungen nutzen

Hier sind vor allem Allgemeinmediziner und Hausärzte gefragt. Die STIKO regt an, bei allen Kindern und Jugendlichen, die aus irgendeinem Grund die Arztpraxis aufsuchen, auch den Impfschutz zu kontrollieren. Dabei sollte dann außer an etablierte Impfungen wie gegen Hepatitis B, Tetanus, Diphtherie und Pertussis auch an den Meningokokkenschutz gedacht werden und falls nötig die MenC-Impfung nachgeholt werden.

Die gesetzlichen Kassen bezahlen in der Regel die Impfung im zweiten Lebensjahr. Die Nachholimpfungen werden in fast allen Bundesländern von den Kassen übernommen; Ausnahmen sind hier lediglich Thüringen und Sachsen-Anhalt. (ug)

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