Ärzte Zeitung, 04.12.2008

Neuer Impfstoff gegen Pneumokokken wegen veränderter Epidemiologie

In einem neuen, 13-valenten Impfstoff ist auch der Pneumokokken-Stamm 19A enthalten, dessen Bedeutung wächst. Denn seit einiger Zeit ändert sich die Epidemiologie der Pneumokokkeninfektion.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Allen Kindern bis zu 24 Monaten wird eine Impfung mit dem konjugierten Pneumokokkenimpfstoff empfohlen.

Foto: Wyeth Pharma

Allen Säuglingen in Deutschland wird die Impfung gegen Pneumokokkeninfektionen empfohlen. Seit Einführung der Pneumokokkenimpfung für Kinder ändere sich die Epidemiologie der Pneumokokkeninfektionen in den USA wie in Europa, betonte Professor Ralf René Reinert von Wyeth Vaccine Research. So beobachte man bei den im siebenvalenten Konjugatimpfstoff verimpften Pneumokokkenserotypen eine erhebliche Abnahme der invasiven Pneumokokkeninfektionen.

In den USA liegt der Rückgang bei den unter Fünfjährigen mittlerweile bei über 90 Prozent. Und bei den (ungeimpften) Erwachsenen über 65 Jahren ging die Inzidenz um über 80 Prozent zurück, weil eine Herdenimmunität auftritt. Auch in Europa, wo die Pneumokokkenimpfung später eingeführt wurde, sei bei Säuglingen seit 2007 ein Rückgang der invasiven Pneumokokkenerkrankungen durch die sieben in der Pneumokokkenimpfung verimpften Pneumokokkenserotypen um etwa die Hälfte nachweisbar, so Reinert. "Der Preis dafür ist aber eine leichte Zunahme bei den Infektionen durch andere, nicht verimpfte Serotypen", so Reinert bei einer Veranstaltung von Wyeth Pharma in Berlin.

Einer der aktuellen Problemkeime sei vor allem der Serotyp 19A. Hier lasse sich in den unterschiedlichsten Ländern Europas, darunter auch in Deutschland, ein zum Teil signifikanter Anstieg nach Einführung der nationalen Impfprogramme nachweisen, berichtete Reinert.

Das Unternehmen hat deswegen mittlerweile einen 13-valenten Pneumokokkenimpfstoff entwickelt, der außer den bisher schon verimpften Serotypen 4, 6B, 9V, 14, 18C, 19F und 23F nun auch noch die Serotypen 1, 3, 5, 6A, 7F und eben 19A umfasst. Dieser Impfstoff befindet sich derzeit in klinischen Studien der Phase III, die die Nicht-Unterlegenheit zum siebenvalenten Impfstoff belegen sollen.

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