Ärzte Zeitung, 24.02.2009

Schlechter Start ins Masernjahr 2009

Ausbruch in Hamburg / Forscher mahnen Nachholimpfungen für ältere Kinder an

HAMBURG (eis). Den ersten Masernausbruch dieses Jahres in Deutschland gibt es in Hamburg. Impfexperten mahnen inzwischen dringend Nachholimpfungen in Schulen an, um ältere Kinder und Jugendliche zu erreichen. Sonst werde es eine Elimination von Masern in Deutschland nicht geben.

Immer mehr ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erkranken an Masern - eine Impfung beugt vor.

Foto: Bilderbox

Deutschland hat sich bekanntlich dazu verpflichtet, das WHO-Ziel einer bis zum Jahr 2010 anvisierten Masern-Elimination in Europa zu unterstützen. Um das Ziel zu erreichen, dürften aber nur bis zu 85 Masern-Erkrankungen jährlich bei uns auftreten. Bis Ende Januar sind in diesem Jahr aber schon 61 Erkrankungen an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden, knapp die Hälfte davon aus Hamburg.

Ausbruch begann in einer Klinikambulanz

Das Szenario in der Hansestadt ist dabei typisch für die in Deutschland registrierte Altersverschiebung der Masern: Der Anteil der Kleinkinder an den Erkrankten geht zurück und immer häufiger sind ältere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene betroffen. Indexfall in Hamburg war ein 27-jähriger Mann, meldet der Impfbrief-online. Der Mann habe zwischen Weihnachten und Neujahr mit einem fieberhaften Infekt die Notfall-Ambulanz eines Krankenhauses aufgesucht. Ein Mitarbeiter der Klinik sowie weitere Erwachsene im Wartebereich der Ambulanz hätten sich angesteckt. Trotz postexpositioneller Impfungen seien dann Familienangehörige von Masernpatienten erkrankt. Das Institut für Hygiene und Umwelt meldet jetzt, dass sich die Infektionen besonders unter ungeimpften Kindern und Jugendlichen weiter ausbreiten.

Mehr als 30 Wochen hatte ein Masernausbruch vor drei Jahren in Duisburg mit 614 Erkrankten gedauert, den Experten um Ole Wichmann vom Robert-Koch-Institut in einer Studie analysiert haben (Bull World Health Organ 87, 2009, 108). Zwei Kinder waren damals gestorben und 95 mussten wegen Komplikationen in die Klinik.

Bei 28 Prozent war Impfung verweigert worden

Interviews mit 464 Betroffenen und ihren Eltern ergaben, dass 80 Prozent der Patienten nicht und weitere 14 Prozent nur einmal gegen Masern geimpft waren. Als Gründe für den fehlenden Impfschutz wurden von 36 Prozent "vergessen" und von 28 Prozent "Impfung abgelehnt" angegeben. Weitere 17 Prozent gaben an, dass der Arzt von einer Masern-Impfung abgeraten habe. 13 Prozent der betroffenen Kinder waren zudem für den Impfschutz noch zu jung.

Grund für den Ausbruch war eine Akkumulation von ungeimpften Menschen in Duisburg, ist das Fazit der Epidemiologen. Unverzügliche bundesweite Nachholimpfungen bei älteren Kindern und Jugendlichen seien erforderlich, um kritische Impflücken zu schließen.

Mehr Infos zur Masernimpfung unter www.impfbrief.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Versorgungswerke sitzen auf 184 Milliarden Euro

Auf die Frage nach der Leistungsfähigkeit der Versorgungswerke tut sich die Bundesregierung mit dem Blick in die Glaskugel schwer. Die Anzahl der Rentenempfänger werde wohl weiter deutlich zunehmen. mehr »