Ärzte Zeitung, 20.07.2009

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"Schwangere brauchen die Impfung"

USA: Saisonale plus Pandemie-Impfung für Schwangere / Forscher kritisiert WHO und Gesundheitsbehörden

ATLANTA (hub). Die Situation bei Schwangeren macht die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) besonders besorgt. Bei ihnen gibt es lebensbedrohende und tödlich verlaufende Erkrankungen durch das neue H1N1-Virus.

"Schwangere Frauen, die Influenza-Symptome zeigen, fordern wir eindringlich auf, medizinische Hilfe anzufordern", so Dr. Anne Schuchat von den CDC. Bei Fieber und Husten sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden. "Ich weiß, dass viele Frauen während einer Schwangerschaft nichts einnehmen möchten", so Schuchat bei einer telefonischen Pressekonferenz ihrer Behörde. "Wir denken aber, die frühe Einnahme antiviraler Medikamente ist für diese Frauen wirklich wichtig."

Die CDC hatten bereits Mitte Mai geraten, Schwangeren mit Schweinegrippe Neuraminidasehemmer zu verordnen (wir berichteten).

Auch die EU-Arzneibehörde EMEA hatte empfohlen, die Indikation für die beiden Neuraminidasehemmer (RelenzaTM und Tamiflu®)auf Schwangere, stillende Mütter und Kinder unter einem Jahr zu erweitern (wir berichteten).

Schuchat hat auch darauf hingewiesen, dass Schwangere den Pandemie-Impfstoff erhalten sollen, wenn er verfügbar ist. "Ich bitte dringend darum, dass sie auch gegen die saisonale Influenza geimpft werden." Dass Menschen mit hohen Risiken - wie Schwangere - beide Impfungen erhalten, sei der richtige Weg.

Kritik an WHO und Gesundheitsbehörden hat Dr. Tom Jefferson in "Der Spiegel" geäußert. Jefferson wertet für die Cochrane Collaboration Studien zum Thema Influenza aus. Einer seiner Kritikpunkte: Erst durch Änderung der PandemieDefinition durch die WHO sei die Schweinegrippe zur Pandemie geworden. Zudem würden Influenzaviren überschätzt, es gebe auch andere wichtige Erreger, wie etwa Rhinoviren. Damit lasse sich aber kein großes Geld verdienen und keine Karriere machen, so Jefferson in dem Spiegel-Interview. Gegen Influenza-Viren gebe es Impfstoffe und Arzneien. "Da steckt das Geld der Pharmaindustrie dahinter!" Und: Einen Grund für die Grippe-Impfung sieht Jefferson nicht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
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