Sonntag, 12. Februar 2012
Ärzte Zeitung, 01.02.2010

"HPV-Impfrate ist zu gering"

HEIDELBERG (dpa). Gebärmutterhalskrebs könnte Experten zufolge nahezu verhindert werden - wenn sich alle jungen Frauen gegen die auslösenden Viren impfen ließen. Dass die Impfung helfe, sei nachgewiesen, "doch ich bin absolut unzufrieden mit der Impfrate", sagte Professor Harald zur Hausen bei einem dpa-Gespräch zum Weltkrebstag am 4. Februar. Nur knapp ein Drittel der Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren sei geimpft.

Zur Hausen forderte eine stärkere Aufklärung über das Thema und nahm dabei auch Gesundheitsministerien, Krankenkassen und Ärzte in die Pflicht. Diese würden derzeit "offenbar nicht ausreichend darüber informieren", sagte er. Die Krankenkassen übernehmen für junge Mädchen die Kosten für die Impfung, die bei rund 465 Euro liegen. Das sei zwar ein Batzen Geld, aber: "Vermeiden ist besser als später behandeln."

Die erste Bilanz der Impfungen sei außerordentlich positiv, sagte der Medizin-Nobelpreisträger. Die Zahl der Erkrankungen an Vorstufen des Krebses hätten sich deutlich reduzieren lassen, teilweise bis zu 45 Prozent. "Damit können wir davon ausgehen, dass auch die Zahl der Krebsfälle zurückgeht." Die Impfung gebe es erst seit rund acht Jahren, bis der Krebs ausbreche, vergehe eine längere Zeit.

Gründe für die Zurückhaltung bei den Impfungen sieht zur Hausen zum einen in einer "gewissen Verunsicherung" durch Berichte über mögliche Todesfälle. Diese stünden aber in keinem Zusammenhang mit einer zuvor erfolgten Impfung. Zudem seien die Nebenwirkungen nicht viel stärker als bei anderen Impfungen. "Zum anderen sträuben sich aber auch viele Eltern, mit Kindern über Krankheiten zu sprechen, die im Zusammenhang mit der Sexualität stehen."

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neue Ära in der Schlaganfall-Therapie?

Ein neuartiges Therapieverfahren weckt große Hoffnungen bei der Behandlung von akutem Schlaganfall. Jetzt hat es sich in Studien und auch in der Praxis bewährt. Experten jubeln: Die neue Methode wird die Schlaganfall-Therapie grundsätzlich verändern! mehr »

112 - Heute ist Europäischer Notruf-Tag

Nur etwa jeder vierte Europäer kennt die EU-weite Notrufnummer 112. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die EU-Kommission in Brüssel anlässlich des Europäischen Notruf-Tags vorgestellt hat. Die Notrufnummer 112 ist rund um die Uhr und kostenfrei in Europa erreichbar. mehr »

Streit um frühe Nutzenbewertung eskaliert

Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) scharf kritisiert. Das Institut missachte Standards der evidenzbasierten Medizin. Das IQWIG kontert: Die Vorwürfe sind unsachlich. mehr »