Ärzte Zeitung, 13.09.2010

Kommentar

Lieber Joghurt statt impfen?

Von Wolfgang Geissel

Eine befreundete Lehrerin fragte kürzlich ihre Mittelstufen-Schüler, was sie über Abwehrkräfte und das Immunsystem wissen. Die Jugendlichen nannten spontan eine bestimmte Joghurtmarke und sonst eher nichts. Dass in Deutschland viele Menschen eher auf Milchsäurebakterien und ähnliches zur Grippevorbeugung im Winter setzen als auf die Influenza-Impfung, liegt auch an mangelhaften Informationen darüber und ist für viele engagierte Impfärzte ein Ärgernis.

Das Image der Influenza-Impfung in Deutschland hat sich, besonders durch das Informationsdebakel zur Schweinegrippe im vergangenen Jahr, eher verschlechtert. Die viel zu zaghafte Unterstützung von Behörden und Gesundheitspolitik für die Influenza-Prävention wird daran wenig ändern. Ein Beispiel dazu: Das Robert Koch-Institut kündigt jetzt ein Medienpaket für niedergelassene Ärzte zur laufenden Influenza-Impfung an. Bei einer Pressekonferenz kann es das Paket aber noch nicht einmal vorlegen. Mit ein paar Broschüren und einer neuen Homepage wird man die Influenza-Impfraten in Deutschland nicht voranbringen. Gefragt ist jetzt ein beherzteres Vorgehen.

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Lesen Sie dazu auch einen weiteren Kommentar:
Wie viel Staat soll es denn nun sein?

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