Ärzte Zeitung, 27.09.2010

Cholera wird nur selten nach Deutschland importiert

Ein neun Monate altes Kind ist in Hessen an Cholera gestorben. Es hatte sich in Pakistan infiziert. Drei Geschwister des Säuglings waren ebenfalls erkrankt. Doch trotz des tragischen Einzelfalls: Cholera wird nur selten nach Deutschland eingeschleppt.

Von Michael Hubert

Cholera nur selten nach Deutschland importiert

Der Cholera-Erreger Vibrio cholerae unter dem Elektronenmikroskop.

© Janice Carr / CDC

OBERURSEL. Das Mädchen ist in der Nacht zum vergangenen Donnerstag in einer hessischen Klinik an Cholera gestorben, drei Geschwister sind ebenfalls erkrankt, wurden aber schon am Sonnabend auf die Normalstation der Klinik verlegt. Die Kinder waren mit ihrer Familie von einer Pakistanreise zurückgekehrt. Damit handelt es sich um die bislang größte Gruppenerkrankung an Cholera in Deutschland.

Cholera ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind nach eigenen Angaben ohne die aktuellen Erkrankungen seit 2002 bundesweit nur zehn Erkrankungen nach Reisen gemeldet worden.

Eine weitere Infektion im Jahr 2001 ist vermutlich auf importierte Lebensmittel zurückzuführen. Einen Todesfall hat es seit Einführung der Meldepflicht in Deutschland zuvor nicht gegeben.

Nun kann man darüber diskutieren, ob Eltern mit kleinen Kindern in Krisenregionen wie Pakistan reisen müssen. Auch wenn der Aufenthaltsort nicht in von Überschwemmungen betroffenen Gebieten war, ist dort aktuell ein erhebliches gesundheitliches Risiko vorhanden. Und durch Infektionserreger sind kleine Kinder mit noch nicht voll ausgereiftem Immunsystem besonders gefährdet.

Für die älteren Geschwister und die Eltern des gestorbenen Mädchens zumindest wäre eine Impfung gegen Cholera möglich gewesen. Der Impfstoff Dukoral® ist ab einem Alter von zwei Jahren zugelassen. Erfahren Ärzte, dass ihre Patienten eine Reise in Cholera-gefährdete Gebiete unternehmen wollen, sollte das Angebot einer Impfung obligatorisch sein.

Zum individuellen und gemeinschaftlichen Seuchenschutz gehört auch die Verantwortung der Betroffenen oder ihrer Angehörigen. So hätten die Eltern schon im Flugzeug das Bordpersonal auf die gesundheitlichen Probleme ihrer Kinder aktiv aufmerksam machen müssen.

Bordpersonal und Flugkapitän hätten dann schon aus der Luft Fluggesellschaft und Gesundheitsbehörden informieren können. Dies ist offenbar nicht geschehen, weshalb der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, Privatdozent René Gottschalk, Medienberichten zufolge nun die Fluggesellschaft verwarnen will. Zwölf Kontaktpersonen ohne Symptome befinden sich in häuslicher Quarantäne.

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