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Der Standpunkt

Gebt das DDT endlich frei!

Fast eine Million Menschen sterben jedes Jahr an Malaria, die Hälfte ist jünger als fünf Jahre. Angesichts dieser Zahlen fordert Michael Hubert die Freigabe des Insektizids DDT. Alles andere wäre menschenverachtend.

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Der Autor ist Redakteur im Ressort Medizin der Ärzte Zeitung. Schreiben Sie ihm: michael.hubert@springer.com

Fast eine Million Menschen sterben jedes Jahr an Malaria, die Hälfte ist jünger als fünf Jahre. Da klingt es schon fast wie ein Wunder: Es könnte bald einen Impfstoff geben.

Endlich. Die Zahl schwerer Malaria-Episoden ließe sich bei Kindern bis 17 Monate um fast die Hälfte reduzieren, hat eine Studie ergeben. Das ist gut, letztlich aber doch relativ bescheiden. Zumal offen bleibt, ob auch Todesfälle vermieden werden können.

Dabei war die Welt im Kampf gegen die Malaria schon mal viel weiter. Die Seuche galt sogar als fast ausgerottet.

Einige Zahlen dazu: Auf Sri Lanka gab es Ende der 40er Jahre rund 2,8 Millionen Krankheitsfälle. 1963 waren es nur noch 17. Fünf Jahre später allerdings lag die Zahl der Malariafälle wieder bei 2,5 Millionen. Ähnliche Zahlen gibt es aus vielen Ländern.

Was war passiert? 1962 erschien "Der stumme Frühling" der US-Biologin Rachel Carson. Beschrieben wurde darin eine Welt ohne Vögel und Vogelgezwitscher.

Eine Anklage gegen die Verwendung von Insektiziden - vor allem von Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT).

Besonders in den Industrieländern fiel die Botschaft des Romans auf fruchtbaren Boden. Die Folge war ein weltweites Verbot der Chemikalie. Die Malariazahlen explodierten daraufhin erneut.

Auch heute noch gilt vielen (weißen) Menschen DDT als eine Chemikalie des Teufels, die es weiterhin strikt zu verbannen gilt. Selbst ansonsten so politisch korrekte Menschen, die Schokokuss statt Negerkuss sagen, lehnen den Einsatz von DDT gegen den Überträger der Malaria ab. Die Malariakranken und -toten scheinen diese Menschen nicht zu berühren.

Dabei geht es nicht um den unreflektierten, flächendeckenden Einsatz von DDT. Es geht lediglich hierum: Einmal im Jahr müssen in den betroffenen Ländern die Zimmerwände mit dem Insektizid behandelt werden.

Das ist billig, und keine andere Maßnahme ist so effektiv. Südafrika und Mosambik etwa machen das schon. Die Malariazahlen sind drastisch zurückgegangen. Das absolute DDT-Verbot ist nur eines: menschenverachtend.

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