Ärzte Zeitung, 18.06.2013

Infektionen beim Arzt

Masernfälle erregen Aufsehen

Säuglinge können in Praxen oder Kliniken mit Masern infiziert werden. Zwei Beispiele sorgen für Aufsehen.

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Kind mit schweren Masern: Eine derart ausgeprägte Infektion ließe sich durch Impfschutz verhindern.

© Novartis

BERLIN/KÖLN. Der Masern-Ausbruch in Berlin beschäftigt auch die Charité: Ein Säugling soll sich Ende März in der Notaufnahme bei einem Oberarzt mit der Krankheit angesteckt haben, berichtet der „Tagesspiegel“.

Das zehn Monate alte Mädchen mit einer Herzoperation in der Vorgeschichte war damals wegen einer Erkältung vorgestellt worden.

Obwohl er auf die erhöhte Gefahr von Infektions-Komplikationen bei dem Kind hingewiesen habe, sei es von einem erkälteten Arzt mit Mundschutz behandelt worden, wird der Vater von dem Blatt zitiert. Neun Tage später seien beim Arzt und 14 Tage später beim Kind Masern diagnostiziert worden.

Weil der Arzt vor 1970 geboren war, sei bei ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Immunität gegen Masern durch Erkrankung auszugehen gewesen, so die Klinik. Es lag keine Impfindikation vor.

Damals zu jung für eine Impfung

Schon 14 Jahre zurück liegt die Infektion von zwei Betroffenen in Bad Salzuflen, wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) berichtet.

Nach Presseberichten hatten sie sich als Babys damals im Wartezimmer eines Kinderarztes bei einem infizierten Elfjährigen angesteckt. Dessen Eltern hätten die Masernimpfung abgelehnt.

Die beiden Säuglinge waren damals für eine Impfung noch zu jung. Beide Kinder entwickelten nach vermeintlich überstandener Krankheit Jahre später eine subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE).

Bei der Slow-Virus-Infektion zerstören Masernerreger Nervenzellen, was zu immer größeren motorischen und neurologischen Ausfällen führt.

Die Kinder konnten schließlich nicht mehr laufen und sprechen und fielen in eine Art Wachkoma. Das Mädchen ist dann 2011 und der Jungen in der vergangenen Woche gestorben. (eis)

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