Ärzte Zeitung online, 02.10.2013

CRM warnt

Israel-Reisende brauchen Polio-Schutz

Israel-Reisende brauchen Polio-Schutz

In Israel wurden Polioviren in Abwasser und bei asymptomatischen Virusträgern gefunden. Wegen des Infektionsrisikos sollten Reisende Impfschutz haben.

DÜSSELDORF. Israel gilt seit vielen Jahren als frei von Kinderlähmung - seit 1988 meldeten die Behörden keine Polioerkrankungen mehr. Nun wurden in verschiedenen Teilen des Landes im Abwassersystem Erreger entdeckt.

Vor Aufenthalten in Israel, im Westjordanland oder im Gazastreifen sollten Reisende ihren Impfschutz überprüfen. Liegt die Polio-Impfung mehr als zehn Jahre zurück, sollte sie aufgefrischt werden, rät das CRM Centrum für Reisemedizin in einer Mitteilung.

Erreger im Abwasser gefunden

Poliowildviren des Serotyps 1 wurden im April 2013 zuerst in der Stadt Rahat im Abwasser gefunden. Inzwischen konnten die Erreger anhand von 91 Abwasserproben an 27 verschiedenen Stellen in Israel nachgewiesen werden, darunter Mitte September auch in Jerusalem.

Daraufhin veranlassten die Behörden in den betroffenen Gebieten die Untersuchung von Stuhlproben von Kindern und Erwachsenen.

Dabei wurden 42 sogenannte asymptomatische Virusträger identifiziert, also Menschen, die den Erreger in sich tragen, aber aufgrund ihrer Immunität nicht an Kinderlähmung erkranken.

Bei vier Menschen im Süden besteht darüber hinaus der Verdacht, dass sie sich mit Polio angesteckt haben könnten. Die israelischen Behörden haben bereits im August damit begonnen, nicht geimpfte Kinder gegen Polio zu immunisieren. Eine ähnliche Maßnahme ist für die palästinensischen Gebiete geplant.

"Bei etwa einem Prozent der Infizierten entwickelt sich eine paralytische Poliomyelitis", erklärt Privatdozent Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM. "Eine Impfung bietet zuverlässigen Schutz."

Inkubationszeit von bis zu 35 Tagen

Die Ansteckung mit Polioerregern erfolgt meist über kontaminierte Lebensmittel, selten auch über Tröpfchen.

Nach einer Inkubationszeit von drei bis 35 Tagen kommt es zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsstörungen, da sich das Virus zunächst im Darm vermehrt.

Gelangt es ins ZNS, kann sich eine paralytische Poliomyelitis entwickeln. Hauptsymptome sind neben starken Rücken- und Muskelschmerzen Lähmungserscheinungen. Dabei kann auch das Zwerchfell betroffen sein - mit der Gefahr eines Atemstillstands.

Das Risiko für schwere Erkrankungen steigt mit dem Alter. Endemisch kommt die Krankheit nach WHO-Angaben heute nur noch in drei Ländern vor: Nigeria, Afghanistan und Pakistan. Einzelne Fälle treten aber immer wieder auf, vor allem in asiatischen und afrikanischen Staaten. (eb)

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