Ärzte Zeitung, 28.05.2014

Impfplan beachten

Mehr Fieberkrämpfe im 2. Lebensjahr

Ärzte sollten Eltern raten, sich bei ihren Kindern an den Impfplan zu halten: Bei Verzögerungen im zweiten Lebensjahr steigt das Risiko für impfbedingte Fieberkrämpfe.

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Kinder profitieren von der rechtzeitigen MMR-Impfung.

© Dmitry Naumov / fotolia.com

DENVER. Im Alter von etwa 17 Monaten erreicht die Inzidenz von Fieberkrämpfen bei Kindern das Maximum (5 / 100.000 Personentage) und ist dann etwa fünffach höher als im Alter von sieben Monaten. Anschließend sinkt die Inzidenz wieder, berichten Forscher vom US-Krankenversicherer Kaiser Permanente und von der Universität in Denver.

Auch das Krampfrisiko bei einer verzögerten Impfung sei dadurch in den ersten beiden Lebensjahren deutlich erhöht, so die Forscher. Sie haben Daten zu Impfungen und zu Krampfanfällen von über 320.000 Säuglingen und Kleinkindern analysiert (Pediatrics 2014; online 19. Mai).

5700 hatten dabei Krampfanfälle zwischen dem zweiten Lebensmonat und dem Ende des zweiten Lebensjahres - also innerhalb des Zeitfensters für die wichtigsten Impfungen. Insgesamt war die Hälfte der Kinder zum richtigen Zeitpunkt geimpft worden.

Bei planmäßiger Impfung 38 bis 92 Tage nach der Geburt gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (TdaP) ließ sich eine leicht erhöhte Inzidenz für postvakzinale Krämpfe errechnen (plus 26 Prozent), diese war jedoch nicht signifikant. Ebenso wenig traten die Krämpfe bei den Kindern mit verzögerter TdaP-Impfung signifikant häufiger postvakzinal als in den Kontrollzeiträumen auf.

Ähnliches ließ sich auch bei der Pneumokokken-, der Polio-, der Hib- und der Rotavirusimpfung beobachten: Postvakzinal war die Inzidenz von Krämpfen meist etwas höher, aber nicht signifikant.

Anders sah es jedoch im zweiten Lebensjahr aus bei der Kombiimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR), der Windpocken-Impfung oder der Immunisierung mit einer Vierfachkombination (MMRV). Bei einer ersten MMR-Dosis bis zum Alter von 16 Monaten war die postvakzinale Krampf-Inzidenz etwa 2,7-fach höher als in den Kontrollzeiträumen.

Bei der ersten MMR-Dosis ab dem 16. Monat war die Inzidenz sogar 6,5-fach erhöht. Hier waren nun alle Unterschiede signifikant. Schwächer war der Zusammenhang bei der Windpockenimpfung, am stärksten bei der Viererkombi: Die frühe MMRV-Impfung (erste Dosis bis zum 16. Monat) ging mit einer fünffach erhöhten Krampf-Inzidenz einher, bei verzögerter Impfung war die Inzidenz sogar knapp zehnfach erhöht.

Das Risiko postvakzinaler Krämpfe steigt also gegen Ende des zweiten Lebensjahres deutlich. Wird nach dem 15. Monat geimpft, ist das Risiko etwa doppelt so hoch wie bei einer Immunisierung in den Monaten 12 bis 15.

Dies, so die Studienautoren, sollte Ärzte und Eltern ermuntern, die Impfungen im zweiten Lebensjahr nicht unnötig hinauszuzögern. In Deutschland wird die erste MMR-Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten empfohlen und die zweite Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten. (mut)

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