Direkt zum Inhaltsbereich

Nestschutz

Auch Schwangere gegen Keuchhusten impfen

Pertussis kann bei Säuglingen lebensbedrohlich sein, deshalb gibt es Überlegungen, schon Schwangere zu impfen. Eine US-Studie beweist jetzt: Die Keuchhusten-Impfung bei werdenden Müttern ist sicher.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Eine US-Studie zeigt: Die Rate von Nebenwirkungen ist nach der Keuchhusten-Impfung von Schwangeren nicht erhöht.

Eine US-Studie zeigt: Die Rate von Nebenwirkungen ist nach der Keuchhusten-Impfung von Schwangeren nicht erhöht.

© Gina Sanders / Fotolia.com

BERLIN. Keuchhusten bedroht Säuglinge besonders stark, deshalb sollte bei ihnen sofort nach Vollendung des zweiten Lebensmonats die Impfung begonnen und zeitgerecht fortgeführt werden.

In den ersten Wochen sind die Kinder aber nur auf den Nestschutz durch Antikörper der Mütter angewiesen.

Impfexperten diskutieren daher auch darüber, ob künftig allen werdenden Müttern eine Pertussisimpfung empfohlen werden sollte.

"Durch die Pertussisimpfung der Schwangeren im letzten Trimenon könnte ein Nestschutz aufgebaut werden, der Säuglinge gerade in den kritischen Wochen bis zur ersten Pertussisimpfung schützt", berichtet Professor Fred Zepp aus Mainz im "Impfbrief online". Bisher empfiehlt die STIKO, bei ungeimpften Schwangeren mit der Impfung bis kurz nach der Geburt zu warten.

Zudem gibt es ein Problem beim Keuchhustenschutz: Weil ein Monoimpfstoff fehlt, muss immer kombiniert mit Tetanus- und Diphtherie-Komponenten geimpft werden.

Für die Tetanus-Impfung wird aber wegen möglicher Impfreaktionen in der Regel zu einem Intervall von zehn Jahren geraten.

Studie: Rate von Nebenwirkungen nicht erhöht

In einer US-Studie wurde jetzt aber gezeigt: Wenn Schwangere gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten (Tdap) geimpft werden, besteht kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, und zwar auch nicht für das ungeborene Kind oder das Neugeborene.

Das gilt auch, wenn die Schwangere weniger als zwei Jahre oder auch zwei bis fünf Jahre zuvor bereits gegen Tetanus geimpft worden war.

In der retrospektiven Kohortenstudie waren Daten von mehr als 29.000 Schwangeren in den USA ausgewertet worden (JAMA 2015; 314:1581). Die Daten stammen von sieben Registern zur Impfstoffsicherheit (Vaccine Safety Datalink sites) aus sechs US-Staaten.

Analysiert wurden die Nebenwirkungen der Tdap-Impfung bei Schwangeren (Fieber, Allergie und lokale Reaktionen) sowie mögliche Folgen bei Neugeborenen (geringe Größe im Verhältnis zum Gestationsalter, Frühgeburt und geringes Geburtsgewicht).

Abhängig vom Abstand zwischen der Tdap-Impfung in der Schwangerschaft und einer vorherliegenden Tetanusimpfung wurden die Frauen dabei je einer von drei Gruppen zugeordnet: weniger als zwei Jahre, zwei bis fünf Jahre oder mehr als fünf Jahre (Kontrollgruppe).

Das Ergebnis: Egal wie lang die Tetanus-Impfung zurücklag, gab es keine signifikanten Unterschiede bei den Nebenwirkungen sowohl bei den Müttern als auch bei den Neugeborenen.

Generelle Pertussisimpfung für Schwangere?

"Die Daten zur Tdap-Impfung unterstützen die Diskussion, eine generelle Pertussisimpfung für Schwangere zu empfehlen", betont Zepp in einem Kommentar zu der Studie im "Impfbrief online".

In Deutschland wird eine einmalige Pertussis-Impfung allen Erwachsenen bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Impfung empfohlen.

Vor einer Geburt sollte zudem der Schutz bei allen Kontaktpersonen und Betreuern des Kindes überprüft werden. Die Impfung ist hier auch dann indiziert, wenn die letzte Tetanus-Impfung weniger als zehn Jahre zurückliegt.

Mehr zum Thema

Virushepatitis im Urlaub

Hepatitis auf Reisen: Wie schützen und wen?

Das könnte Sie auch interessieren
Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

© Vladimir Vladimirov | iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Round-Table-Gespräch

Wie Haus- und Fachärzte gemeinsam Impflücken schließen

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

© FatCamera | Getty Images (Symbolbild mit Fotomodellen)

Impfstatus Klinikpersonal

Hohe Verantwortung, moderate Impfquote

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Podcast Dr. Nele Frerksen-Kirschner

© Porträt: Dr. Nele Freerksen-Kirschner, Universitätsklinik Aachen | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wechseljahresbeschwerden individuell behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gedeon Richter Pharma GmbH, Köln
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann

Lesetipps
Mehrere Menschen im Gespräch

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Wohlbefinden stärken

Wie sich psychische Erkrankungen im Praxisteam vorbeugen lassen

Frau mit Restless-Legs-Syndrom liegt im Bett und wackelt mit den Beinen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose