Ärzte Zeitung, 30.03.2016

Meningitis, Gelbfieber & Co.

Neues zu Reiseimpfungen

Zika und kein Ende? Für Reisemediziner ist dieses Virus eher ein Nebenschauplatz. Er verdeckt, dass es viele Fortschritte gibt bei der Infektionsbekämpfung und bei den Impfstoffen.

BERLIN. "In vielen Gegenden der Welt gibt es erfreuliche Entwicklungen", sagte Professor Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) bei einer Veranstaltung zum 17. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin. Ganz vorne steht natürlich das Ende des Ebola-Ausbruchs in Westafrika. Das ist aber nicht die einzige gute Nachricht aus Afrika.

Langfristig viel wichtiger könnten die großen Erfolge bei der Eindämmung der Typ-AMeningokokken in den an die Sahara angrenzenden Ländern sein.

Viele tausend Menschen vor allem in der Sahel-Zone starben bisher pro Jahr an dieser Form der Meningitis. Doch die Zahl sinkt drastisch. Grund dafür ist ein von der Gates-Foundation unterstütztes Impfprogramm.

Es wird auch in der Bevölkerung betroffener Länder als segensbringend empfunden: "In Burkina Faso sind kürzlich Studenten in Streik getreten, um durchzusetzen, dass diese Impfung auch dort angeboten wird", so Jelinek. Reisende in die Sahararegion sollte das daran erinnern, dass die Meningokokken-Impfung unter Einschluss der in Europa kaum vertretenen A-Meningokokken nach wie vor die vielleicht wichtigste Reiseimpfung im nördlich-mittleren Afrika ist.

Impfstoff gegen Dengue-Virus

Einen Impfstoff gibt es mittlerweile auch gegen das Dengue-Virus, einen Verwandten von Zika. Reisemedizinisch hat dieser Impfstoff allerdings keine Bedeutung. Er wird vor Ort eingesetzt, unter anderem in Brasilien, Thailand und den Philippinen. "Je nach Studie liegen die Schutzraten zwischen 20 und 60 Prozent", so Jelinek.

Das könne in stark betroffenen Ländern einen Unterschied machen, sei aber für einen reisemedizinischen Einsatz zu wenig. Das letzte Wort in Sachen Dengue-Impfstoff sei das aber nicht, so Jelinek: "Es gibt mehrere andere Impfstoffe in der Pipeline, die vielleicht mehr bringen."

Über ein paar praktisch relevante Änderungen bei den Impfschemata wusste Jelinek auch noch zu berichten. Unter anderem dürfte in Kürze ein großes Ärgernis entfallen, nämlich die Begrenzung der Gültigkeit der Impfbescheinigung für Gelbfieber auf zehn Jahre.

"Wir wissen schon länger, dass diese Impfung dauerhaft wirkt. In diesem Jahr wird die WHO das auch offiziell beschließen und ihre Empfehlungen entsprechend verändern", so Jelinek. Das muss dann zwar noch in den einzelnen Ländern umgesetzt werden, aber die Perspektive ist klar: Eine Gelbfieberimpfung reicht bald fürs Leben.

Positive Nachrichten für Reisende gibt es auch zu den Impfungen gegen Tollwut und japanische Enzephalitis: Immer mehr Studien zeigen, dass Schnellimmunisierungen in beiden Fällen hoch effektiv sind. Auch Kurzentschlossenen können diese potenziell lebensrettenden Impfungen deswegen angeboten werden. (gvg)

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