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Nutzlose Aufklärung?

Impfkampagnen können Impfskepsis verstärken

Irrige Vorstellungen über die Gefahren von Impfungen lassen sich mit gängigen Aufklärungsstrategien offenbar nicht beseitigen – ganz im Gegenteil: So können Impfkampagnen die Impfskepsis sogar noch verstärken.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Bloß nicht impfen! Fakten verschwinden einer Studie zufolge schnell aus dem Gedächtnis, während populäre Impf-Irrtümer eher zurückbleiben.

Bloß nicht impfen! Fakten verschwinden einer Studie zufolge schnell aus dem Gedächtnis, während populäre Impf-Irrtümer eher zurückbleiben.

© absolutimages stock.adobe.com

EDINBURGH. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind auch im 21. Jahrhundert erschreckend wenig durchsetzungsfähig, wenn sie im Widerspruch zu einem verbreiteten Irrglauben stehen. Das illustriert aktuell eine britisch-italienische Studie, in der verschiedene Strategien getestet wurden, um populäre Fehlurteile über Impfungen zu korrigieren (PLoS ONE 2017; 12(7):e0181640). Zwei der drei Informationsstrategien führten letztlich sogar zu einer deutlichen Verstärkung der Impfmythen.

Impfmythen versus Fakten

An der Untersuchung waren 120 Studenten beteiligt, die nach dem Zufallsprinzip einer von vier Informationsstrategien zugeteilt wurden: Gegenüberstellung von Impfmythen und Fakten entweder in Textform oder durch Tabellen und Grafiken veranschaulicht, Fotos von nicht MMR-geimpften erkrankten Kindern mit entsprechenden Informationen oder medizinische Informationen ohne Bezug zum Impfen (Kontrolle).

Kontraproduktive Merkblätter

Vor, direkt und sieben Tage nach dem Erhalt dieser Materialien wurden die Studenten nach Wissen und Einstellung zum Impfen befragt. Sowohl das Mythen-versus-Fakten-Merkblatt als auch die Fotos erkrankter Kinder erwiesen sich als kontraproduktiv. Bei den damit konfrontierten Studenten verstärkten sie den Glauben an einen Zusammenhang zwischen Impfen und Autismus und an andere schwere Impfnebenwirkungen.

Fakten verschwinden aus Gedächtnis

Die visualisierten Impfinformationen hatten zwar weniger negative Auswirkungen, hatten allerdings auch keinerlei positive Effekte auf die Einstellung der Studienteilnehmer zu Impfungen, berichten die Wissenschaftler um die Psychologin Dr. Sara Puvliano von der Universität Edinburgh. Sieben Tage nach dem Informationstermin waren in den Interventionsgruppen die Impfvorbehalte teilweise sogar weiter gewachsen.

Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht der Studienautoren, dass Fakten schnell aus dem Gedächtnis verschwinden und populäre Irrtümer zurückbleiben würden. Sie raten, die Wirkung von Impfkampagnen im Vorfeld besser auszutesten. Eine "goldene" Strategie gebe es dabei offensichtlich nicht; möglicherweise sei es sinnvoll, durch häufige und auf verschiedene Zielgruppen zugeschnittene Kampagnen die Verbreitung und Akzeptanz korrekten Impfwissens zu erhöhen.

Studienergebnisse in Kürze

» Das Mythen-versus-Fakten-Merkblatt und die Fotos erkrankter Kinder erwiesen sich als kontraproduktiv.

» Die visualisierten Impfinformationen hatten weniger negative Auswirkungen, allerdings auch keinerlei positive Effekte.

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