Ärzte Zeitung, 19.01.2004

KOMMENTAR

Tödliche Gefahr in Geflügelfarmen

Von Wolfgang Geissel

Als 1997 in Hongkong erstmals ein Ausbruch bei Menschen mit dem Vogelgrippevirus (H5N1) registriert wurde, wurde der Beginn einer weltweiten Grippe-Pandemie mit Millionen von Toten befürchtet. Und auch jetzt - wo in Vietnam wieder mindestens vier Menschen an Infektionen mit dem Virus gestorben sind - sind Infektiologen weltweit alarmiert.

Das Vogelgrippevirus kommt nämlich zur Zeit in vielen Geflügelbeständen in Vietnam, Südkorea, Japan und Taiwan vor. Es stecken sich dabei zwar nur wenige Menschen an, und das Infektionsrisiko für Reisende ist minimal.

Die Befürchtung ist jedoch: Kommt es in Menschen (oder auch in Schweinen) zu Doppelinfektionen von Vogelviren und Menschen-Influenzaviren, dann können die Erreger Segmente ihres Erbguts austauschen. Dabei könnten völlig neue, für Menschen hochinfektiöse und hochpathogene Viren entstehen. Solche sogenannten genetischen Shifts bei Influenzaviren standen im vergangenen Jahrhundert immer am Beginn von Grippe-Pandemien.

Daß jetzt allein in Vietnam zehn Millionen Hühner, Enten und andere Vögel prophylaktisch getötet werden sollen, verdeutlicht, wie besorgt die Gesundheitsbehörden zur Zeit sind.

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