Ärzte Zeitung, 30.01.2004

Hinweise nehmen zu, daß Grippeviren eine Atherosklerose fördern

US-Ärzte plädieren dafür, Nutzen der Impfung zu prüfen

HOUSTON (ple). Es gibt inzwischen einige Hinweise aus Studien, daß eine Infektion mit Influenza-Viren einen Myokardinfarkt oder Schlaganfall triggern kann. US-Forscher plädieren daher dafür, Influenza als einen kardiovaskulären Risikofaktor jetzt noch stärker zu überprüfen.

Einen experimentellen Nachweis, der die Vermutung eines kausalen Zusammenhangs zwischen Virusinfektion und dem Triggern kardiovaskulärer Ereignisse stützt, erbrachten Forscher um Dr. Morteza Naghavi von der Universität Houston im US-Staat Texas im vergangenen Jahr (Circulation 107, 2003, 762).

Bei Mäusen ohne Apolipoprotein E, die absichtlich mit Influenza-Viren infiziert worden waren, kam es ausschließlich in den atherosklerotischen Plaques der Aorta zu einer Zunahme der entzündlichen und thrombotischen Ereignisse, nicht dagegen in den unveränderten Abschnitten des Gefäßes.

Hinweise, daß eine Grippe-Impfung einen positiven Effekt auf die Rate kardiovaskulärer Ereignisse hat, gibt es unter anderem aus Fall-Kontroll-Studien und einer randomisierten Studie. In dieser Studie war die Inzidenz von Todesfällen aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse in der Gruppe der Studienteilnehmer, die gegen Grippe geimpft worden waren, mit sechs Prozent signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (17 Prozent), wie die Forscher in "Circulation" (108, 2003, 2730) mitteilen.

Nicht zuletzt hat vor kurzem, wie berichtet, die FLUVACS (FLU Vaccination Acute Coronary Syndrom)-Studie ergeben, daß Patienten mit Myokardinfarkt oder stabiler Koronarer Herzkrankheit, bei denen eine Koronarintervention gemacht wird, offensichtlich sehr von einer Influenza-Impfung profitieren.

Ein Jahr nach der Impfung war in einer Studie die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 66 Prozent niedriger als bei Nichtgeimpften (Eur Heart J 25, 2004, 25). Dies belegt, wie wichtig die Influenza-Impfung für solche Risikopatienten ist.

Die US-amerikanischen Forscher halten es für möglich, daß die in den USA zwischen 1980 und 1990 beobachtete Abnahme der KHK-Erkrankungen zumindest teilweise auf den Effekt der Influenza-Impfung zurückzuführen ist.

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