Ärzte Zeitung, 13.02.2004

Oseltamivir schützt auch Kontaktpersonen von Grippekranken

Daten einer US-Studie bringen Hinweis, daß auch ein- bis zwölfjährige Kinder von der Prophylaxe profitieren

CHARLOTTESVILLE (mal). Während einer Influenza-Saison schützt Oseltamivir vor einer Grippe. Das bestätigt eine neue Studie, in der Angehörige von Personen, die an Grippe erkrankt waren und eine Oseltamivir-Therapie erhielten, ebenfalls - prophylaktisch - mit dem Neuraminidasehemmer behandelt wurden.

Auch ein- bis zwölfjährige Kinder profitierten von der Prophylaxe, wie aus der Studie hervorgeht. Darin haben die Forscher um Dr. Frederick G. Hayden von der Virginia-Uni in Charlottesville haben die Daten aus 277 Haushalten während der Influenza-Saison 2000 / 2001 analysiert.

In jedem Haushalt war mindestens eine Person an Influenza-typischen Symptomen erkrankt, insgesamt waren es 298 Erkranke. Bei 62 Prozent von ihnen wurde eine Influenza-Infektion im Labor gesichert. Alle 298 Patienten erhielten eine fünftägige Therapie mit Oseltamivir (Tamiflu®).

Die Kontaktpersonen - alle mindestens ein Jahr alt - jeweils in einem Haushalt wurden zufällig einer von zwei Gruppen zugeordnet: 410 Kontaktpersonen in 138 Haushalten erhielten so innerhalb der ersten 48 Stunden, nachdem die erste Person im Haushalt an Grippe erkrankt war, eine zehntägige Prophylaxe mit Oseltamivir. 402 weitere Kontaktpersonen in 139 Haushalten wurden dagegen nur dann fünf Tage lang damit behandelt, wenn sie Influenza hatten.

Die Datenanalyse ergab etwa, daß bei Ausschluß der Neuerkrankungen am ersten und zweiten Tag 6,6 Prozent der Kontaktpersonen ohne Prophylaxe innerhalb von zehn Tagen eine laborgesicherte Influenza bekommen hatten, aber nur 1,2 Prozent der Kontaktpersonen mit Prophylaxe. Damit war die Rate grippekranker Kontaktpersonen um etwa 80 Prozent geringer, wenn zusätzlich zur Therapie des Erst-Erkrankten eine Oseltamivir-Prophylaxe erfolgte. Die Autoren bezeichnen dies als etwa 80prozentigen Prophylaxeschutz.

Wurden nur Haushalte berücksichtigt, in denen die Erst-Erkrankten eine im Labor gesicherte Influenza hatten, ergab sich für die einzelnen Kontaktpersonen ein 68prozentiger Schutzeffekt (mit Prophylaxe vier Prozent Influenza-Kranke, ohne Prophylaxe 13 Prozent).

Speziell für ein- bis zwölfjährige Kinder, eine Gruppe, bei der nach Angaben der Forscher der Effekt einer Oseltamivir-Prophylaxe bisher nicht in einer Studie geprüft wurde, war es ein 55prozentiger Schutz (mit Prophylaxe: elf Prozent Influenza-Kranke, ohne Prophylaxe: 24 Prozent) (J Inf Dis 189, 2004, 440).

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