Ärzte Zeitung, 30.09.2005

Eigene Vorsorge für Grippe-Pandemie ist geboten

Influenza-Experte rät, in Arztpraxen Vorrat an Arzneien und Hygieneartikeln anzulegen / Hausärztetag in Potsdam

POTSDAM (sko). Kollegen sollten für sich und ihre Mitarbeiter ausreichend Grippemittel für den Pandemiefall lagern, empfiehlt Professor Adolf Windorfer aus Hannover. Außerdem rät er, jetzt schon einen Vorrat an Mundschutz, Schutzbrillen, Desinfektionsmitteln und Handschuhen anzulegen, um bei einer Pandemie für die nötigen Hygienemaßnahmen gerüstet zu sein.

Professor Adolf Windorfer: Jede Familie sollte pro Kopf ein bis zwei Päckchen antivirale Medikamente lagern. Foto: sbra

Der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamts ist sich sicher, daß es irgendwann eine Grippepandemie geben wird. "Ob aber in fünf, zehn, oder fünfzehn Jahren, das wissen wir erst dann, wenn sie vorbei ist", sagte er beim Hausärztetag in Potsdam. Medikamente allein werden dann die Pandemie nach seiner Aussage jedoch nicht wesentlich beeinflussen. Zudem hält er die staatliche Bevorratung an Grippemitteln nicht für sinnvoll.

"In unserem Gesundheitssystem ist der Staat keine Apotheke, er hat keine Verteilstrukturen", so der Influenza-Experte. Deshalb appelliert er an die Kollegen, einen Medikamenten-Vorrat für die Mitarbeiter der eigenen Praxis anzulegen. Und nicht nur das: "Jede Familie sollte pro Kopf ein bis zwei Päckchen antivirale Medikamente lagern. Beim Reiseschutz gegen Malaria funktioniert diese Selbstbevorratung schließlich auch", sagte er.

Auch die Impfung sei im Fall einer Pandemie nicht sehr hilfreich, da es zur Zeit noch einige Monate dauern würde, bis genügend Impfstoff gegen das neue Pandemie-Virus vorhanden ist, sagte Windorfer bei der vom Unternehmen Chiron Vaccines Behring unterstützten Veranstaltung. "Hier wird es ein großer Schritt sein, wenn zellkulturbasierte Herstellungsverfahren für Grippe-Impfstoffe vorhanden sind." Bisher müssen Grippeviren für Impfstoffe noch mühsam in Hühnereiern herangezogen werden.

Wichtig bei der Erstellung eines Pandemieplanes sei es, vorhandene Strukturen zu nutzen: "Jeder muß für sich selbst planen, und überlegen, was getan werden kann." So betonte Windorfer den großen Stellenwert von Hygienemaßnahmen - allerdings erst, wenn es so weit ist!

Dann sollten Kollegen und Helferinnen einen mehrlagigen Mundschutz und Handschuhe tragen. Wichtig sei auch eine Schutzbrille, da Augenschleimhäute ein wichtiger Infektionsweg seien. Der Influenza-Experte empfiehlt, sich jetzt schon einen Vorrat an dem Material anzulegen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »

KBV legt acht Punkte für eine Reformagenda vor

Rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf und dem Start in eine neue Legislaturperiode hat die KBV ein Programm für eine moderne Gesundheitsversorgung vorgelegt. Was steht drin? mehr »