Ärzte Zeitung, 17.01.2006

Grippe-Viren viel gefährlicher als H5N1-Virus

Verdacht auf Vogelgrippe erst dann, wenn Klinik, Epidemiologie und zeitlicher Zusammenhang passen

NEU-ISENBURG (ple). Natürlich muß nicht bei jedem, der hustet, Fieber hat und aus der Türkei einreist, der Verdacht auf Vogelgrippe bestehen. Das gilt erst dann, wenn bestimmte klinische Symptome kombiniert vorliegen und ein epidemiologischer und zeitlicher Zusammenhang besteht.

Der Verdacht auf die erste Vogelgrippe-Erkrankung in Deutschland bei einem aus der Türkei eingereisten Patienten in Köln hatte sich am Wochenende nicht bestätigt. Dr. Jan Leidel, Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, zur "Ärzte Zeitung": Für einen Verdacht müßten Patienten zunächst einmal entsprechende klinische Symptome haben. Dazu gehören

  • Fieber über 38 Grad Celsius,
  • plötzlicher Erkrankungsbeginn und
  • Husten oder Atemnot.

Darüber hinaus müsse aber auch ein epidemiologischer Zusammenhang hergestellt werden können. Das heißt: In den letzten sieben Tagen vor Beginn der Erkrankung muß der Patient engen Kontakt mit infiziertem oder möglichweise infiziertem Geflügel gehabt haben. Mit Schnelltests könne dann festgestellt werden, ob der Patient mit einem Influenza-Virus infiziert ist.

Ist dies der Fall, empfiehlt das Robert-Koch-Institut zur Differenzierung des Virus einen zweiten Abstrich, möglichst aus Rachen und Nase. Außerdem sollte der Arzt das zuständige Gesundheitsamt informieren und unter anderem eine Therapie mit Neuraminidase-Hemmern ansetzen.

Leidel erinnerte daran, daß derzeit in Deutschland die Gefahr für eine normale Influenza-Infektion größer sind als für eine H5N1-Infektion: Jedes Jahr stürben etwa 10 000 Menschen an den Folgen einer Influenza-A-Infektion. Da sich das H5N1-Virus nicht zwischen Menschen ausbreiten könne, sei es eine viel geringere Gefahr für die Bevölkerung.

Robert-Koch-Institut: www.rki.de/cln_011/nn_508514/DE/Content/InfAZ/A/AviaereInfluenza/Falldefinition.html

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