Ärzte Zeitung, 06.03.2006

Länder stocken Vorräte an Grippe-Mitteln auf

Vorreiter ist Nordrhein-Westfalen / Bundesländer im Norden helfen sich im Notfall mit Medikamenten aus

FRANKFURT/MAIN (ine). Mehrere Bundesländer haben angekündigt, ihre Vorräte an Neuraminidase-Hemmern aufzustocken, um gegen eine Grippe-Pandemie gewappnet zu sein. Vorreiter ist Nordrhein-Westfalen.

Das Land hat 67 Millionen Euro für den Einkauf zur Verfügung gestellt. Ziel ist, den Vorrat auf 6,4 Millionen Einheiten aufzustocken. Damit könnten im Falle einer Grippe-Pandemie mehr als 30 Prozent der Bevölkerung versorgt werden.

Auf der Konferenz der Gesundheitsminister in Berlin hatten sich die Ländervertreter darauf geeinigt, für 20 Prozent der Bürger antivirale Medikamente einzulagern (wir berichteten). Mehrere Länder haben angekündigt, den Empfehlungen folgen zu wollen und die Vorräte auf 20 Prozent zu erhöhen. Dazu gehören Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen.

In anderen Bundesländern wird derzeit beraten, ob und wie der Beschluß der Gesundheitsminister umgesetzt werden kann. Brandenburgs Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) will eine Kabinettsvorlage erarbeiten. Im Falle einer Grippe-Pandemie soll der Vorrat an antiviralen Medikamenten für 15 Prozent der Bevölkerung reichen. In Sachsen-Anhalt sollen bis Jahresende für 5,6 Prozent der Bevölkerung antivirale Arzneimittel zur Verfügung stehen.

Einige Bundesländer haben auch beschlossen, sich im Ernstfall gegenseitig zu helfen. So beteiligt sich etwa Schleswig-Holstein - es hat derzeit einen Vorrat an Neuraminidase-Hemmern für knapp sechs Prozent der Bürger angelegt - zusammen mit sieben anderen Ländern am sogenannten Nordpool.

Wenn die Vorräte im Pandemie-Fall in einem Bundesland nicht ausreichen, dann sollen benachbarte Länder, die nicht so stark betroffen sind, einspringen und einen Teil ihres Vorrates an Grippe-Mitteln abgeben.

Auch viele Kliniken haben Vorräte angelegt. Im Stuttgarter Katharinenhospital lagern zum Beispiel 14 Kilogramm antivirale Arzneien, die im Ernstfall an 2400 Klinikangestellte verteilt werden sollen.

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