Ärzte Zeitung, 08.03.2006

Nächste Pandemie durch H2-Virus?

H5N1 ist nicht gut an Menschen angepaßt / Entscheidende Mutationen fehlen

FRANKFURT/MAIN (mut). Dem H5N1-Virus fehlen noch einige Mutationen, um Menschen leicht infizieren zu können. Doch selbst wenn diese geschehen, ist es unklar, ob das Virus eine Pandemie auslösen kann. Möglicherweise geht von anderen Influenza-Viren eine größere Pandemiegefahr aus.

In den vergangenen hundert Jahren waren Influenza-Epidemien nur mit drei von 16 Influenza-Subtypen beobachtet worden, und zwar mit den Hämagglutinin-Varianten H1, H2 und H3. Derzeit zirkulieren vor allem H3- und H1-Subtypen, nicht aber H2.

Manche Virologen gehen daher davon aus, daß die nächste Pandemie mit einem H2-Subtyp erfolgt, also einer Virusvariante, die bereits an Menschen angepaßt ist, gegen die aber kaum noch Immunschutz besteht, berichtet der Frankfurter Virologe Professor Hans Wilhelm Doerr (Med Microbiol Immunol online).

Auch das H7N7-Virus, an dem vor drei Jahren bei einem Vogelgrippe-Ausbruch in den Niederlanden ein Tierarzt gestorben ist, kommt als Pandemie-Kandidat infrage.

Dennoch: Doerr will nicht ausschließen, daß sich auch H5N1 zu einem Pandemievirus entwickelt. Das Virus habe bereits einige genetische Veränderungen, die auch beim Pandemie-Virus von 1918 beobachtet worden waren. "Es müßte nur eine Aminosäure am Hämagglutinin ausgetauscht werden, dann könnte es Menschen viel leichter infizieren", sagte der Virologe in einem Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Lesen Sie dazu das Interview:
"Noch fehlen H5N1 entscheidende Mutationen, um eine Influenza-Pandemie bei Menschen auszulösen"

Lesen Sie auch:
"Zur Infektion müssen Sie mit dem Vogel zu Bett gehen"
Unaufgeregte Vorbereitung auf einen Krisenfall

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »