Ärzte Zeitung, 20.11.2006

Zistrosenextrakte gegen Influenzaviren getestet

Zell- und Tierstudien / Viren am Andocken gehindert

MÜNCHEN (wst). Im Mittelmeer-Raum werden Präparate aus der Zistrose gegen viele Infektionskrankheiten angewendet. In Studien mit Zellkulturen und Mäusen wurde jetzt für einen Zistrosenextrakt eine Wirksamkeit gegen Influenzaviren belegt.

Forscher um Professor Oliver Planz von der Universität Tübingen haben Zellkulturen mit Influenzaviren versetzt. Einem Teil der Kulturen wurde zudem ein standardisierter Extrakt der Zistrosen-Unterart Cistus incanus ssp. tauricus zugesetzt. Der Extrakt ist als Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken erhältlich (Dr. Pandalis Spezialextrakt Cystus®052).

Unter Einfluß des Pflanzenextrakts seien deutlich weniger Zellen durch das Virus zerstört worden als in den Kulturen ohne den Extrakt. Das berichtete Planz auf einer Pressekonferenz des Komitees Forschung Naturmedizin in München.

In weiteren Experimenten wurde die Wirksamkeit des Extrakts mit der von Amantadin verglichen. Anders als bei dem Standardmittel hätten die Viren keine Resistenzen gegen den Extrakt entwickelt. Möglicher Wirkmechanismus des Extrakts: Die darin enthaltenen polymeren Polyphenole umlagern die Viren adhäsiv und hindern sie, an Zellen anzudocken. Zistrosenextrakte seien daher eher für lokale als für systemische Anwendungen geeignet, so Planz.

In weiteren Experimenten infizierten die Forscher junge Mäuse intranasal mit Influenzaviren. Vor der Infektion und an fünf Folgetagen wurde eine Hälfte der Mäuse dreimal täglich zehn Minuten mit einem Zistrosenextrakt-Aerosol behandelt, die anderen nicht.

Fünf bis sieben Tage nach der Infektion erkrankten die unbehandelten Tiere schwer, etwa jedes zweite starb. Die Tiere der Verumgruppe hatte praktisch keine Symptome und überlebten alle.

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