Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Therapie-Option für Kinder mit Influenza

MÜNCHEN (fvw). Die Zulassung des Grippe-Medikaments Zanamivir (RelenzaTM) ist erweitert worden. Der Neuraminidasehemmer ist jetzt nicht nur zur Therapie bei Jugendlichen und Erwachsenen, sondern auch bei Kindern ab fünf Jahren zugelassen. Zudem kann das Mittel jetzt zur Prophylaxe bei Erwachsenen und Kindern ab fünf Jahren verwendet werden.

Veröffentlicht:

Schon bei normalen Grippewellen sterben im Jahr etwa 20 000 Menschen in Deutschland, wie Professor Peter Wutzler aus Jena berichtet hat. Mit Hilfe von zwei Frühwarnsystemen lässt sich in Deutschland in jeder Region absehen, ob es zu Grippewellen kommen wird.

Patienten mit typischen Symptomen können dann mit Neuraminidasehemmern behandelt werden. "Wichtig ist, mit der Therapie binnen 24 bis 48 Stunden nach Einsetzen der Symptome zu beginnen ", sagte Wutzler bei einem Pressegespräch von Glaxo-SmithKline in München. Nur dann könnten Neuraminidasehemmer effektiv wirken.

Zu den Influenza-Symptomen gehören plötzlich auftretendes Fieber (über 38° C), Frösteln, Schweißausbrüche, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, trockener Husten, Halsschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden "Zanamivir verkürzt die Dauer der Symptome um ein bis drei Tage", so Wutzler. Zudem verhindere die Therapie etwa 40 Prozent der Sekundärerkrankungen und verringere deren Schwere. Zanamivir wird als Pulver inhaliert (zweimal täglich 5 mg).

Der Wirkstoff unterbindet nach Angaben von Wutzler an der Oberfläche des Respirationstrakts die Virusreplikation. Die Substanz ist gegen alle neun bekannten Neuraminidase-Subtypen von Influenza-A-Viren wirksam und blockiert die Neuraminidase von Influenza-B-Viren. Zanamivir wirkt auch gegen Viren, die gegen den Neuraminidasehemmer Oseltamivir resistent sind (Antiviral Res 71, 2006, 372).

Zur Prophylaxe der saisonalen Influenza werden über zehn bis 28 Tage täglich zweimal 5 mg von Zanamivir inhaliert. Die Prophylaxe ist nach Angaben von Wutzler zum Beispiel indiziert, wenn eine Impfung wegen neu auftretender Virustypen unwirksam wird. Sollte es zu einer Grippe-Pandemie kommen, dann sind Neuraminidasehemmer zudem die bisher einzige Therapieoption. Die Therapie mit Zanamivir wird von der GKV bezahlt, die Prophylaxe müssen Patienten selbst bezahlen (eine Packung für 29,32 Euro reicht zehn Tage).

"Der wirksamste Schutz vor Influenza ist nach wie vor die Grippe-Impfung", betonte Wutzler. "Wir müssen die Impfung noch viel mehr vorantreiben." Der Schutz wird allen Menschen über 60 Jahren empfohlen sowie chronisch Kranken jeden Alters wie bei Herz-Kreislauf- und Lungenkrankheiten oder Diabetes. Außerdem wird Menschen mit beruflichen Risiken zur Impfung geraten.

Mehr zum Thema

Pharmazeutische Dienstleistungen

Nachfrageschub für Grippeimpfung in Apotheken – aber auf Niedrigstniveau

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Deprescribing PPI

Protonenpumpenhemmer absetzen: Wie das am besten gelingt

Patienten häufigste Täter

Medizinstudierende erleben sexuelle Belästigung vor allem im PJ

Hypercholesterinämie

Lipidsenker klug kombinieren

Lesetipps
Eine Ärztin spricht mit einer älteren Patienten. Die Patientin lächelt.

© StefaNikolic / stock.adobe.com

Sprechende Medizin

4 Tipps: So können Sie den Placebo-Effekt für die Therapie nutzen

Ein Arzt spricht mit einer Patientin

© K Davis/peopleimages.com / stock.adobe.com

Interview

Patient mit Mundgeruch: Wie Sie das im Patientengespräch ansprechen

Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und verschränkt ihre Arme, um ihre Hände auf die Brust zu legen.

© Yauhen / Stock.adobe.com

Psychologische Interventionen

Sprechende Medizin: 10 Schritte bei chronischen Schmerzen