Ärzte Zeitung, 27.11.2007

Durch Grippe-Schnelltests nimmt die Verordnung von Antibiotika ab

Gezielte Verschreibung von Neuraminidasehemmern stieg um Faktor 2,5

MÜNCHEN (sto). Influenza ist auch bei Kindern ein Problem: In der Grippesaison 2004/2005 erkrankte nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) eins von drei Kindern. Bei Erwachsenen war es einer von zehn. Grippe-Schnelltests erleichtern die Diagnose.

Für die Verbreitung der Grippe-Viren spielen Kinder eine große Rolle, sagte Professor Klaus Deichmann aus Herbolzheim. Umso wichtiger seien eine frühe Diagnose und eine spezifische Behandlung, um eine weitere Krankheitsausbreitung - auch in der Familie - zu vermeiden, so der Pädiater bei einer Veranstaltung von Roche in München.

Kinder haben bekanntlich oft nicht so charakteristische Influenza-Symptome wie Erwachsene. Deshalb wurde in einem Projekt des Unternehmens in den ersten vier Monaten dieses Jahres bei fast 800 Pädiatern untersucht, wie hilfreich ein Schnelltest für Diagnostik und Therapie von Kindern mit Influenza ist.

Das Ergebnis: Kinderärzte, die ihre Diagnose mit einem Schnelltest absicherten, behandelten im Gegensatz zu Kollegen, die lediglich eine klinische Diagnose stellten, ihre Patienten 2,5-mal häufiger antiviral und reduzierten den Antibiotikaeinsatz um den Faktor 3,5. Ähnliches ergab sich für die Postexpositionsprophylaxe von Familienangehörigen nach Kontakt mit einer infizierten Person. Die Gruppe mit Schnelltest verschrieb zweimal häufiger einen Neuraminidasehemmer und dreimal weniger Antibiotika, berichtete Deichmann.

Überraschend sei, dass die Ärzte ohne Schnelltest nur aufgrund der klinischen Diagnose zwar häufiger eine Influenza diagnostiziert haben (70 Prozent) als die Kollegen, die mit Schnelltest arbeiteten (56 Prozent), aber dennoch in wesentlich geringerem Ausmaß eine spezifische Therapie eingeleitet hatten, sagte Deichmann.

In der Influenza-Saison 2007/2008 soll ab Februar eine weitere epidemiologische Erhebung zur Diagnoseabsicherung mit einem Schnelltest in 5000 Hausarztpraxen erfolgen. Dabei werden auch die Patienten zu Wirksamkeit und Nutzen ihrer Therapie befragt, so der Allgemeinarzt Dr. Peter Lehmann aus Gräfelfing.

Der Schnelltest wird von der GKV nicht erstattet und kann derzeit nur als IGeL angeboten werden.

Mehr Infos zu Influenza im Web unter: www.influenza.rki.de/agi

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