Ärzte Zeitung, 12.02.2008

HINTERGRUND

Grippe-Pandemie - Ärzte brauchen einen Notfallplan!

Von Sabine Schiner

Derzeit droht Deutschland keine Grippe-Pandemie. Ärzte sind damit allerdings nicht außen vor. "Die Vorbereitungen sollten trotzdem jetzt beginnen - und nicht erst, wenn wir von der Pandemie überrollt werden", rät Dr. Annegret Schoeller von der Bundesärztekammer (BÄK) in Berlin im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Sie hat an den Empfehlungen zur Vorbereitung der Praxen auf eine Influenza-Pandemie mitgearbeitet.

Was passiert, wenn über zwölf Millionen Menschen in Deutschland an der pandemischen Influenza H7N2 erkranken? Experten gehen davon aus, dass bereits eine Woche vor der Spitze der Erkrankungswelle mit 800 000 Arztbesuchen und 21 000 Klinikeinweisungen zu rechnen ist.

Für viele Kliniken gibt es Eskalationsmodelle

Viele Kliniken proben in regelmäßigen Abständen den Ernstfall. Beispielsweise hat das Gesundheitsamt in Frankfurt/Main für 20 Kliniken ein spezielles Eskalationsmodell entwickelt. Können die Kommunen die Kranken nicht mehr aus eigener Kraft versorgen, tritt das Katastrophengesetz der Länder in Kraft. Dann ist es an den Mitarbeitern der Krisenstäbe, beispielsweise Ärzte für Einsätze zu verpflichten.

Länderübergreifend werden solche Situationen bei Krisenmanagementübungen trainiert. Ein Beispiel dafür ist LÜKEX (Länder übergreifende Krisenmanagement Exercise). Bei der letzten Übung im November wurde eine Influenza-Pandemie mit Auswirkungen auf das ganze Land simuliert. Gesteuert wurde die Übung durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und dem Robert Koch Institut in Berlin. Auch Schoeller war als Fachberaterin dabei. "Solche Übungen sind wichtig", sagt die Leiterin der Arbeitsgruppe "Influenza-Pandemiebeauftrage der Landesärztekammern der BÄK".

Jede Praxis sollte einen Notfallplan haben

Für Arztpraxen gibt es solche Groß-Übungen nicht. Eine Influenza-Pandemie hat allerdings auch massive Auswirkungen auf den Arbeitsalltag von Hausärzten, Pädiatern, Betriebsärzten und Internisten. "Die niedergelassenen Kollegen sollten sich einen Notfallplan machen und ihn umsetzen", empfiehlt Schoeller. Im Falle einer Pademie müssten Ärzte auch ihre Mitarbeiter schützen. "Das wissen die wenigsten Ärzte", sagt die Ärztin. Dabei seien die Vorgaben nicht neu. Jeder Arbeitgeber habe die Aufgabe, Schaden, ausgelöst durch die berufliche Tätigkeit, von seinen Beschäftigten abzuwehren. "Der Schutz der Mitarbeiter hat Vorrang", sagt Schoeller.

Dazu gehöre, dass Ärzte für sich und ihre Mitarbeiter Schutzhandschuhe, Masken, Desinfektionsmittel und auch antivirale Arzneimittel lagern. Die Kosten müssen die Praxischefs selbst tragen. "Derzeit gibt es Verhandlungen von Bund und Ländern mit den Kassen, das sie zumindest die Vorbereitungen zum Schutz der Patienten übernehmen", sagt Schoeller. Bislang allerdings ohne Erfolg. Zu den Punkten, die Ärzte mit ihrem Team klären sollten gehören unter anderem:

  • Info der Patienten: Über Merkblätter und Aushänge können Patienten über die veränderte Organisation im Falle einer Pandemie aufgeklärt werden. Auch Tipps über die Hygieneregeln in der Praxis können vorab auf einem Merkblatt beschrieben werden. Dazu gehört zum Beispiel, dass sich die Patienten vor Betreten des Wartezimmers die Hände desinfizieren sollten.
  • Info der Angestellten: Die Praxismitarbeiter sollten über alle Planungen informiert werden. Wichtig ist die Unterweisung des Personals in Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen. Zu den Schutzmaßnahmen zählen der Verzicht auf Händeschütteln, Tragen von Atemschutzmasken und das Benutzen von Handdesinfektionsmitteln.
  • Praxisorganisation: Eine räumliche Trennung von Influenza- und Nicht-Influenzapatienten aus der Regelversorgung ist in vielen Praxen nur schwer machbar. "Möglich ist aber auch, vor- oder nachmittags eine Fiebersprechstunde einzurichten", sagt Schoeller. Bevor die Regelsprechstunde wieder aufgenommen wird, können die Praxisräume desinfiziert werden.
  • Meldepflicht: Während einer Influenza-Pandemie wird die Diagnose einer Influenza allein aufgrund des klinischen Bildes, ohne zusätzliche Labordiagnostik gestellt, heißt es in den Empfehlungen der BÄK. In der vorpandemischen Phase ist eine Labordiagnostik in Einzelfällen allerdings sinnvoll.

STICHWORT

Tipps für Praxischefs

Beispiele und Checklisten, was Ärzte im Falle einer Pandemie tun sollten, gibt es unter anderem auf der Homepage der BÄK, den Landesärztekammern oder bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege. Hier einige Zusatz-Adressen:

www.who.int

www.bbk.bund.de

www.rki.de

www.laga-online.de.

Das Arbeitsschutzgesetz steht unter www.gesetze-im-internet.de

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