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Hintergrund

Wirksamere Grippe-Impfstoffe dringend gebraucht

Herkömmlicher Grippe-Impfstoffe schützen - aber nicht ideal, wie eine US-Studie erneut bestätigt. Das gilt besonders bei alten oder chronisch kranken Menschen. Zum Grippeschutz in Risikogruppen gibt es aber bisher keine Alternative.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak und Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:
Ein Pieks gegen Grippe.

Ein Pieks gegen Grippe.

© Klaro

Influenza-Impfstoffe sind nicht zu 100 Prozent wirksam: Ihre Schutzrate wird bei gesunden Erwachsenen - in einem Jahr mit guter Abdeckung der zirkulierenden Virusstämme - mit bis zu 80 Prozent angegeben. Der Effekt ist nach Studiendaten allerdings signifikant geringer bei Kindern (60 Prozent) sowie bei alten Menschen und solchen mit einer Grundkrankheit (40 bis 60 Prozent).

17 randomisierte Untersuchungen und 14 Beobachtungsstudien

Die nur moderate Schutzwirkung der Grippe-Impfstoffe bestätigt jetzt auch eine Metaanalyse aus den USA von Forschern um Professor Michael T. Osterholm von der University of Minnesota School of Public Health (Lancet Infectious Diseases 2011, online 26. Oktober).

Die Infektiologen und Epidemiologen haben 17 randomisierte, kontrollierte Untersuchungen und 14 Beobachtungsstudien zur Schutzwirkung der Grippe-Impfung analysiert. Dabei legten sie eine hohe Messlatte an: Die Influenza-Erkrankungen mussten in den Studien per quantitativer Echtzeit-PCR oder alternativ durch Viruskulturen - also hochspezifisch - nachgewiesen worden sein.

Manche Patientengruppen sind in solchen Studien nur spärlich vertreten. In den meisten Studien zu Influenza fehlt eine solche spezifische Diagnostik, und lediglich der Effekt der Prophylaxe gegen typische Grippe-ähnliche Erkrankungen mit Fieber und Atemwegssymptomen wird untersucht.

Durchschnittliche Effektivität lag bei 59 Prozent

In die aktuelle Metaanalyse wurden Studien zu nicht-adjuventierten trivalenten inaktivierten Impfstoffen (TIV) einbezogen. Außerdem wurde die Prophylaxe mit dem attenuierten Lebendimpfstoff als Nasenspray - der in Europa bisher nicht zugelassen ist - ausgewertet.

In acht von zwölf untersuchten Grippeperioden ließ sich dabei eine Schutzwirkung von TIV nachweisen. Die durchschnittliche Effektivität dieser Impfstoffe lag bei 18- bis 65-Jährigen Impflingen bei 59 Prozent. Studiendaten für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis 17 Jahren mit den Einschlusskriterien oder auch für ältere Erwachsene über 65 Jahre wurden nicht gefunden, so die Forscher.

Der Lebendimpfstoff erwies sich in neun von zwölf Grippeperioden als wirksam und erreichte in der Gruppe der Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und sieben Jahren eine durchschnittliche Effektivität von 83 Prozent. Für ältere Kinder von acht bis 17 Jahren lagen keine verwertbaren Daten vor.

Impfstoff gegen Schweinegrippe - Wirksamkeit von 69 Prozent ermittelt

Interessant waren nicht zuletzt die Ergebnisse für den monovalenten Impfstoff gegen das pandemische H1N1-Virus, den Erreger der Schweinegrippe. Hier ermittelten Osterholm und sein Team eine mediane Wirksamkeit von 69 Prozent bei Menschen im Alter unter 65 Jahre.

"Dieser Grad an Schutz wird der Situation in einer Pandemie nicht gerecht", bemerken die Forscher. Die Pandemie-Impfstoffe hätten den Erreger in idealer Weise abgedeckt. Eine Antigendrift habe nämlich noch nicht eingesetzt.

Der Unterschied zwischen der erhobenen Schutzwirkung von 69 Prozent und dem zu fordernden Niveau von mindestens 90 Prozent werde sich in einer Pandemie zu einem schwerwiegenden Gesundheitsproblem auswachsen und Morbidität sowie Mortalität erheblich weniger als wünschenswert verringern.

Neue, besser wirksame und kreuzreaktive Vakzinen entwickeln, so Forscher

"Nachweise für einen Influenzaschutz auf gleich bleibend hohem Niveau lassen sich für die gegenwärtige Generation von Impfstoffen kaum finden", schreiben Osterholm und seine Kollegen.

Angesichts der Lasten, die für das öffentliche Gesundheitswesen durch die saisonale Grippe entstehen, und vor dem Hintergrund drohender Pandemien sei es dringend erforderlich, neue besser wirksame und kreuzreaktive Vakzinen zu entwickeln, die zudem rasch herstellbar sein sollten.

Bisher gibt es zur konventionellen Grippeimpfung jedoch keine Alternative, betonen die Wissenschaftler. "Wir sollten die vorhandenen Impfstoffe weiter öffentlich unterstützen. Sie sind das beste Mittel gegen Influenza, das wir haben."

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